Witthüser & Westrupp - 68er nach Noten - RUK, das Sternenmädchen

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Was noch gesagt werden sollte

In stiller Nacht geht ganz allein
ein Teppichhändler durch eines Waldes Hain
er betritt eine Lichtung und hebt das Gesicht
und sieht seltsame Sterne in gleißendem Licht.
Auf der Wiese sieht er eine Blume steh´n
glitzernd und herrlich anzusehn
und er fasst diese Blume und bricht sie sacht
da öffnet sich ihm einer Höhle Schacht.

Er tritt in einen hellen, weiten Raum
mag nicht glauben, was seine Augen schaun
voller Silber, Gold und Edelsteinen
sieht er drei Grotten vor sich erscheinen.
Und er sieht sein Leben in Reichtum und Macht
ist geblendet von des Geschmeides Pracht
seine Zukunft erschein ihm gesichert und klar
ein neues Leben beginnt; das alte war!

Und wie er so steht und seinen Traum genießt
bemerkt er, wie sich das Tor langsam schließt;
da greift er, was er nur fassen kann
und springt heraus -
hinter ihm schließt sich die Höhle
mit dunklem Klang.
Er betrachtet den Reichtum in seiner Hand,
doch der zerfällt - und wird zu Sand
und er bemerkt, dass er das Schönste vergaß:
die Blume - den Schlüssel, den er besaß.

"Die Schlüsselblume" von der Witthüser & Westrupp-LP "Bauer Plath"

RUK & DAS STERNENMÄDCHENWAS BLEIBT DANACH

EIN BLICK ZURÜCK

Jahre haben wir W&W´s zusammen unser Ding durchgezogen: wir haben zusammen studiert, gesoffen, gestaunt, musiziert, komponiert, meditiert, geraucht, geschluckt, gelacht, gestritten, gelitten und unendlich viel Spaß gehabt und bereitet. Wir sind gefahren, abgefahren, geflippt und geflippt worden, haben erfunden und gefunden, haben uns treiben lassen, sind gegen den Strom geschwommen, haben uns nie verloren und viele Freunde gewonnen - wir haben gelebt und erlebt: 
wir haben „Musik“ gemacht
.

Wir durften mit internationalen und nationalen Künstlern die Bühnen teilen - das vermittelte uns ein gutes Gefühl, war Bestätigung unseres "Schaffens" und zeugte von einer gewissen Wertschätzung unserer Musik und deren Texte in einem Business, dass kompromisslos und knallhart sein kann, weil es dort letztendlich um die dicke Kohle geht - wovon wir aber nicht viel mitbekommen haben (?!).

Wir haben dafür Einblicke in eine andere verborgene Wirklichkeit genommen auf unseren "Reisen", wir blickten unter die Oberfläche, hörten in uns hinein, durchlebten Himmel und Hölle, beschäftigten uns mit vielen seltsamen Dingen und geheimnisvollen Berichten, durchlebten inspirierende Begegnungen mit uns selbst und verarbeiteten bewusstseinserweiternde Erlebnisse in Gesprächen mit anderen „Reisenden“, die von ähnlichen tiefgreifenden Erfahrungen berichteten: vieles davon haben wir in unsere Texte gepackt: für die Wissenden Bestätigung, für den Rest einfach schöne Lieder. 

Im Nachhinein wird mir überdeutlich klar, dass wir solche Texte und solche Musik niemals in der Stadt hätten schreiben und spielen können. Wenn ich auf der „Lorelei" saß, dann war ich real in der Welt, die wir in unseren Liedern besangen: zauberhaft, märchenhaft, abseits aller Hektik, über aller Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit. Durch die Konzentration auf "unser Ding" war diese Performance, diese Symbiose von fast religiösen Texten und märchenhafter Musik überhaupt möglich geworden: Mönche der Musik. 

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nd dennoch: Bei den gelegentlichen Abstechern in die "normale" Welt (nach Essen) stellten wir fest, dass unser Abstand zu den alltäglichen Dingen, zu unseren alten Freunden, unseren Familien immer größer wurde. Unsere Plattenfirma, unsere Produzenten, unsere Berater hatten uns - und wollten uns natürlich - immer weiter abkapseln, auf Kurs halten. „Unsere Welt“ mit all diesen existenziellen Erfahrungen, mit tollen Bekanntschaften war grenzenlos toll und erfüllend. Doch verdammt: ewig lockt das Weib, lockt das Leben, das Flippen, das neue Alte, das Gewohnte und Vertraute. Der Vogel, der im Käfig sitzt – und sei dieser noch so schön eingerichtet - möchte raus: möchte frei sein. Wir waren – trotz allem - Großstadtkinder geblieben mit unseren Wurzel eben dort: bei unseren alten Freunden, unseren Kneipen, Kinos, Kultur, MÄDELS, Neon, Geschäften: bei dem pulsierenden Leben. Sollten wir das alles vergessen und hinter uns lassen – der Abstand dorthin wurde immer größer, und schlussendlich hätten wir uns nur noch mit einigen wenigen „Weisen“ unterhalten können. Wir hatten ja kein Gelübde abgelegt, keine ewige Askese geschworen: die Mauern waren zum Glück durchlässig.

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RUK & DAS STERNENMÄDCHEN

afür, dass RUK uns für sein Ohr-Projekt auserwählt hat, gebührt ihm eigentlich ein eigenes Kapitel in diesem Buch – schließlich hat er viel für unseren musikalischen Werdegang getan. Er unterstützte uns - wohl auch nicht ganz uneigennützig - bei (fast) allen unseren ersten Gehversuchen auf größeren Bühnen mit Rat und Tat, gibt uns Tips und verschafft uns dank seiner Kontakte richtig gute Gigs. Er lenkt uns unbemerkt – auch in Richtungen, die wir so wohl nicht eingeschlagen hätten. Er spricht mit uns Themen durch, bei denen er Potential für uns und unsere Musik sieht, er spielt uns entsprechende Bücher und Texte zu und bringt uns mit Menschen zusammen, die schon dort sind, wo er uns hin haben will. Er unterstützt uns bei vielen unseren Vorhaben, vor allem, wenn sie ihm auch nutzen – z.B. bei unserer Idee, aufs Land zu ziehen. Er schaltet Anzeigen, fährt mit zu den Besichtigungen der Objekte, er organisiert unseren Umzug aufs Land. Der Effekt für ihn: da sind wir abgeschirmt, werden nicht abgelenkt - er hat uns besser unter Kontrolle. Mit seiner ruhigen Art wirkt er teilweise einlullend – und weiß ganz genau, wo er sein Gegenüber hin haben will. Immer an seiner Seite seine Muse Gille Lettmann, anfangs noch im Hintergrund, im Laufe der Zeit immer mehr Einfluss nehmend auf ihn und das Umfeld. Als Textildesignerin bringt sie uns sogar fast dazu, von ihr entworfene und genähte Pailletten-Jacken auf der Bühne zu tragen: als ich Bernd ansehe, überschlage ich mich fast vor Lachen – wir ziehen uns vor dem Auftritt schnell wieder um... 

einen Weg ist RUK zusammen mit seiner Partnerin konsequent weiter gegangen: abgehoben mit Timothy Leary und anderen Ko(s)mischen Kurieren, mit ganz viel von seinem sagenumwobenen "Kaisers Kaffee" und mit der einen oder anderen Dosis zu viel - und irgendwann dann ohne jeglichen Bezug mehr zur Realität. 

Er hatte Visionen - aber kaum jemand konnte oder wollte ihm am Ende noch folgen. Er wurde zum "kosmischen Kurier", lebte bald nur noch im Aufnahme-Studio und produzierte "kosmische Musik" oder war in der Schweiz und traf sich dort mit Leary und anderen Esoterikern. Unser Kontakt zu ihm brach nach der Abmischung der LIVE-Do-LP mehr und mehr ab, auch weil wir diesen seinen "Kaiserweg" nicht mitgehen wollten und konnten. Wir beendeten unsere „Reise in eine andere Wirklichkeit“ und traten den Rückweg an: Bernhard ging zunächst nach Berlin, reiste dann um die Welt und blieb schließlich in Italien hängen - und mich zog es zurück in die Heimat nach Essen.

Von seiner Vermieterin, die mich 2007 kontaktierte, erfuhr ich, dass Kaiser verarmt, (fast) vergessen und unter Verfolgungswahn leidend als "Mr. Null" zusammen mit seiner "Muse" Gille Lettmann, dem "Sternenmädchen", in seiner ureigenen kosmischen Welt irgendwo in einer Mietwohnung in der Nähe einer großen deutschen Brauerei am Möhnesee lebte. Aber auch da musste er weichen (weltliche Vermieter wollen nun mal echte € sehen), und hauste eine Zeit lang in einer Klosterzelle (war da nicht mal was mit einem Mönch?...) ...Und: er lebt (Stand 11.2019) immer noch - auch wenn das viele nicht glauben wollen. Da ward er gesehen als seniler "Herr Cristallis" in Begleitung einer verrückten alten Dame... Dass RUK und seine Muse ausgeflippt sind - naja, da sind sie nicht die Ersten und Einzigen aus dieser teilweise irren und wahnsinnigen Musik-Szene.
Kaiser hat tolle Sachen geformt, performt und durchgezogen. Für uns war er nicht nur Produzent - er war Motivator, Manager, Künstlerbetreuer, Pressemann: alles in Einem. Und er war - zumindest aus meiner Zeit kann ich das sagen - immer fair. Viele seiner Musiker von damals schimpfen heute auf ihn - sind sauer, fühlten sich betrogen und ausgebeutet und haben gegen ihn prozessiert. Okay - wir hatten alle keine Super-Verträge. Aber wer hätte uns und vielen anderen damals überhaupt einen Plattenvertrag gegeben. Viele Bands (da schließe ich W&W mit ein) wären doch aus ihrem lokalen Umfeld gar nicht raus gekommen, wäre RUK nicht gewesen. In seinem Windschatten sind viele Gruppen erst hochgespült worden - all das sollte bei einer Bewertung nicht unterschlagen werden. Zudem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich hinterher von anderen Seiten wirklich professionell beschissen worden bin.

In den 70ern tauchte als Überbegriff für die (teils experimentelle) westdeutsche Rockmusik der damaligen Zeit in England der Name Krautrock auf (Kraut als Synonym für die sauerkrautigen Deutschen), der auch über W&W gestülpt wurde, aber eigentlich nicht passte. Zitat Bernd: "wir haben absolut keinen Krautrock gespielt, eher Krautfolk und später Cosmickrautfolk oder so was": und hier bekommt der Begriff "Kraut" nun auch endlich eine sachgemäße nachvollziehbare und stimmige Bedeutung.

Diese rockige Krautzeit wird seit Beginn der 2000 Jahre endlich detailliert aufgearbeitet - im Ausland ist das schon viel früher geschehen. Die beteiligten Musiker und Gruppen dieser Zeit finden jetzt auch in Germanien die Beachtung, welche sie verdienen: in Büchern (Liederbuch Ruhr, Menschen und Projekte in Essen, Zappa Zoff und Zwischentöne, Aufgewachsen in Essen, Folk und Liedermacher an Rhein und Ruhr, Rocklexikon Deutschland, der Klang der Revolte, Alles so schön bunt hier, Krautrock...), in Sondereditionen (z.B. beim German Rock e.V.) in div. Radiosendungen und im deutschen Fernsehen (Kraut & Rüben, Roboter essen kein Sauerkraut, Kopfüber in die 60er, Schwarzes Gold - Musik im Ruhrgebiet...), auf diversen Samplern - und auch im Rocknpopmuseum in Gronau sind die deutschen Gruppen der 70er zu finden..

Dabei wird die Rolle von RUK oftmals unterschlagen oder falsch ausgelegt. Erst in letzter Zeit - vor allem seit seinem 75 Geburtstag im Jahre 2018  - erscheinen mehr und mehr gut recherchierte und sachgerechte Bewertungen seiner Tätigkeiten - ob als Publizist oder als Produzent - in Presse, Büchern und TV-Berichten : vielleicht auch irgendwann mal eine ehrliche Würdigung des "Menschen Kaiser"?.


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DANACH

 

WAS BLEIBT

ilde Jahre waren das. Ich habe sie Gott sei Dank unbeschadet überstanden. Ich habe mich in dieser Zeit ausgetobt, bin gegen den Strom geschwommen, habe Neuland betreten und existenzielle Erfahrungen mitnehmen können. Meiner Mutter wurde damals von Freunden und Bekannten nahe gelegt, sie solle sich von mir lossagen: "so ein Kind hat euch nicht verdient!"... Gut - meine Familie hat zwar manches nicht so ganz verstanden, was ich da teilweise produzierte – ich war sowas wie das "graue Schaf" des Westrupp-Clans - aber der hat sich interessiert, und mich nie fallen lassen. Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar: moralische und ethische Werte sind mir vorgelebt worden, die habe ich quasi mit der Muttermilch eingesogen und die konnte ich – egal wo ich war und was ich durchlebte – nicht ablegen. Bestimmte Grenzen habe ich nie überschreiten können. Ich blieb bodenständig, hatte immer ein „zuhause“, wohin ich mich zurückziehen, wo ich mich wieder sammeln, wo ich lesen und Musik hören und malen, wo ich reflektierend „ich selbst“ sein konnte - für mich ungeheuer wichtig. Einige „gute“ Jungs verloren sich, flippten aus, bekamen den Spagat zwischen den „Welten“ nicht mehr hin. Das war letztendlich auch das Ende von W&W: wir bewegten uns in einem elitären Kreis, und sehr viele unserer Freunde und Fans verstanden nicht mehr, was wir eigentlich (aus)sagen wollten. Existenzielle Erfahrungen erlebst Du nur für Dich selbst, die kannst du nicht weitergeben. Du kannst davon erzählen, aber wer sie selber nicht verinnerlicht hat, wird und kann dich nicht verstehen. 
Rückblickend kann ich sagen: es war eine tolle  Zeit, die mich geprägt und mir unendlich viel gegeben hat durch Begegnungen mit Menschen, mit Idealen, mit Visionen. Wenn sich auch einiges im Laufe der Jahrzehnte abgeschliffen hat – diese Zeit ist immer in mir: ich möchte keine Sekunde davon missen
. Ich
hab mich nie verbogen, hab mich nicht verbiegen lassen. Manche Ziele habe ich im Laufe der Zeit neu gesteckt, erweitert, andere suche ich immer noch... Hab´ keine Kumpel  beschissen (nur den Vermieter in der Viehofer), niemanden über den Tisch gezogen oder gemobbt, bin nie jemandem in den Rücken gefallen und kann daher auch heute in den Spiegel gucken, ohne kotzen zu müssen.
1973 mit Hunrück-Hund Rudi in meinem Boutique-Domizil DABBELJU in der Gutenbergstraße in Essen

Während dieser Sturm- und Drangzeit hatte ich nur meinen eigenen kleinen Rucksack zu tragen, war nur mir selbst Rechenschaft schuldig: ich konnte tun und lassen, was ich wollte, brauchte auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Mit dem Ende der W&W-Zeit 1973 änderte sich nach und nach mein Umfeld: Frau, Familie, Kind - und damit verbunden wirtschaftliche Zwänge - der Beruf kam dazu, diese (alltägliche) Müh(l)e: mein Rucksack wurde voller und schwerer... 

30 Jahre später - also 2003 - im Alter von genau 571/2, hatte ich genug malocht und verabschiedete mich aus dem abhängigen Berufsleben: ich wurde zum Frührentner. Damals dachte ich: "Habe einen Sohn gezeugt, ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt - jetzt habe ich quasi mein Soll übererfüllt": kann mich jetzt genüßlich zur Ruhe setzen. Doch aus Ruhe und "Hände in den Schoß legen" wurde nix, denn es begann ein neuer unbeschwerter Lebensabschnitt ohne berufliche und finanzielle Abhängigkeiten gemeinsam mit Familie, Freunden und Tieren. Hobbies wie Computer, Fotografie, Kino, Konzerte, Flipper, Darts, Boule warteten auf mich - Haus und Garten wollten gepflegt, Bücher gelesen, Musik gehört, Feten gefeiert, diese Geschichten geschrieben werden. Was irgendwann unvollendet auf der Strecke geblieben war, wurde jetzt wieder hervorgekramt und konnte endlich verwirklicht und abgeschlossen werden. Und die Musik, egal ob mit der Walter h.c. Meier Pumpe (über 30 Jahre), mit den Masters of Ukulele, dem Dabbelju-Jugband-Projekt oder auch als "1 Mann Skiffel Kapelle": sie war immer da und ist nach wie vor ein ganz wichtiger Teil meines Lebens.

as musikalische Wirken von Witthüer & Westrupp bleibt für die Entwicklung der Essener Musik-Szene nicht ohne Wirkung: wir kamen beide aus der Skiffle- und Beat-Zeit, und in und aus und neben unserem "Dunst'"-Kreis entwickelte sich Neues, wie unser Freund Frank Baier, der unseren musikalischen Werdegang von Beginn an hautnah verfolgt hat und in dem Buch "Folk- und Liedermacher an Rhein und Ruhr - Musikland NRW" anhand eines Essener Szene-Netzes anschaulich aufzeichnet:

 ...mit freundlicher Genehmigung von Frank himself

Auch in seinem ziegelsteingroßen und -schweren Werk "Liederbuch Ruhr - Lieder und Lexikon" beschreibt er faktenkundig unser musikalisches Leben.

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DANACH...

...holt mich immer wieder diese W&W-Zeit ein: 

1981 meldet sich ein Bernhard Mikulski telefonisch und bittet um einen Termin, da er etwas mit mir zu besprechen hat. Er taucht mit seiner Frau Christa in einem dicken amerikanischen Schlitten bei mir auf und erklärt, dass er die W&W-LPs neu auflegen will. Er besitzt damals einen Plattenvertrieb und hatte seinen Außendienstmitarbeitern aufgetragen, gezielt nach Musik zu fragen, die in den Plattenläden nicht mehr zu bekommen ist. So stößt er auf die Ohr- und Pilz-Produktionen und auf W&W. Rechtliche Fragen bräuchten mich nicht zu interessieren – das würde er alles regeln und evtl. Forderungen der Altherausgeber (die eben seit Jahren eine immer noch bestehende Nachfrage nicht befriedigen wollten) selbst übernehmen. Eine Zusage von Bernhard Witthüser hat er schon – und meine bekommt er natürlich auch. Unsere Lieder – fast im Original-Look - tauchen somit bald wieder im einschlägigen Fachhandel auf und werden dankend gekauft, während im Hintergrund ein langer Rechtsstreit tobt, der mich aber nicht weiter tangiert. In den nächsten Jahren verkauft er weit über 100.000 W&W-LPs - wer hätte sich das in seinen kühnsten Träumen bei der Erstauflage ausmalen können... Bernhard Mikulski, seiner Frau Christa und ihrer Fa. ZYX-Records ist es also zu verdanken, dass es die W&W–Musik gibt –  mittlerweile auch auf CD und in den Streamingportalen: dafür an dieser Stelle (an B. posthum) ein großes Dankeschön.

Ein Novum: 1981 habe ich einen der ersten Songs von W&W überarbeitet und ihn mit der Walter h.c. Meier Pumpe auf ihrer M.I.S.T.-Produktion eingespielt. Es ist erste und einzige Mal, dass ich einen W&W-Titel umgearbeitet habe, aber er schrie gradezu danach. Es geht um die Legende vom Taubertal - und erzählt wird darin die dramatische Geschichte von der Erfindung des Dietrichs. Der gar wunderbare Text stammt von Baltus Brösel, und in dieser Version lassen wir es so richtig krachen:

Das Original von der Live *68-*73 Produktion kommt da eher ruhig rüber:

 

 

Mitte der 1980er schenkt mir meine Gattin eine "Reise in die Vergangenheit" nach Dill und wir verbringen ein wunderschönes Wochenende bei Familie Plath
1989 gibt es noch mal ein unverhofftes Wiedersehen mit Werner "Bauer" Plath, der anlässlich meiner 1. Bilderausstellung in Essen - als Ehrengast von Doc Remy eingeladen - überraschend auftaucht und mit seiner Zigarre und seinem Schwiegersohn  das i-Tüpfelchen bei diesem Event darstellt.

Im Februar 2003 - quasi als Geburtstagsgeschenk - bringt Bernd und mich der 60. Geburtstag unseres gemeinsamen Freundes „Mr. Ruhrgebiet" Frank Baier, der am selben Tag wie ich Geburtstag hat, zu unserer beider Überraschung wieder zusammen. In Duisburg auf Franks großer Geburtstagsfeier treffen wir uns nach fast 13 Jahren wieder - und ich hab ihn fast nicht wieder erkannt - gut sieht er aus. Und - wer hätte das je für möglich gehalten - musizieren wir nach über 30 Jahren noch einmal zusammen: zwar keine W&W-Titel, aber einige alte Skiffle-Songs geben wir mit Ukulelen und Mandoline zum Besten. Wir haben viel Spaß, das Publikum erst recht, schwelgen in Erinnerungen und stellen übereinstimmend fest: HURRA, wir leben noch.

 

So ist das zum Glück mit Totgesagten, wenn sie wieder auftauchen: sie leben. Denn irgendwo und -wann ist einmal das Gerücht aufgekommen, dass Bernd gestorben ist. Glücklicherweise stellt es sich als falsch heraus und ist auf eine Verwechselung zurückzuführen: gestorben ist Bernhard Mikulski und nicht Bernhard Witthüser). Das mit Bernhard M. tut uns beiden leid, das mit Bernhard W. tut gut.

2004 tauchen (wie im TEHOMA-Kapitel beschrieben) alte Filmaufnahmen aus der Versenkung auf, zudem bekomme ich Filmmaterial mit W&W-Aufnahmen auf Video-Kassetten - die Idee einer DVD reift in mir und ich mache mich daher zum Filmproduzenten. Prompt melden sich bei der Andeutung einer W&W-DVD Freunde unserer Musik aus ganz Europa - und es sind nicht nur ein paar alte nostalgische Säcke, die in der Vergangenheit leben...

Am 07. August 2017 erreicht mich dann die Nachricht, das Bernd am 04.08.17 in Italien im Alter von 73 Jahren gestorben ist - diesmal kein Gerücht. SCHEISSE.
Am Donnerstag den 28.09.17 findet in der Apostelkirche zu Essen "in memoriam Bernd Witthüser" statt. 


Alte Weggefährten, FreundInnen und  Musikerkollegen erinnern mit Beiträgen, Fotos und in Gesprächen an einen der Ihren, der schon mal vorgegangen ist.    

Im Jahr des Herrn 2018 erscheint dann bei Sireena Records Hamburg ein digital remasterter Live-Mitschnitt von der Generalprobe unserer Jesus-Oper aus dem Jahre 1971, heimlich und ohne unser Wissen aufgenommen im Jugendzentrum Essen. Ich hatte irgendwann von irgendwoher eine Cassette mit einigen Titeln dieser Piratenaktion bekommen, hatte sie digitalisiert, ins Archiv gelegt - und dann lagen sie jahrelang. 2017 fand ich sie bei Aufräumarbeiten, schickte eine CD an Bernd. Wir dachten über eine Veröffentlichung nach und nahmen Kontakt zu Tom Redecker von Sireena auf, der Interesse zeigte und das ganze Projekt dann auch in trockene Tücher packte und veröffentlichte. Leider erlebte Bernd all das nicht mehr mit. 

uf meiner 50-Jahre-Musiker-Jubiläums-Tour, die ich nun schon seit über 25 Jahren durchziehe, habe ich sehr viele nette Menschen getroffen und kennen gelernt, die mit den Original-W&W-LPs, mit Original-W&W-CDs und sogar der W&W-DVD zu den Konzerten kommen, um diese signieren zu lassen: vergessen sind W&W nicht. Autogrammwünsche flattern immer wieder rein, andere fragen oder suchen nach vergriffenen W&W-Collections und anderen "Raritäten". Echte "Hardcorde-Fans" berichten von ihren kompletten Sammlungen sämtlicher veröffentlichter Tonträger (LPs und CDs, Singles, Sampler, DVDs) von Bernd und von mir, ob als W&W, in anderen Besetzungen oder auch alleine (Otto & Bärnelli, Witthüser, Walter h.c. Meier Pumpe, BaierWestrupp, Dabbelju Jugband): sagenhaft - mehr als ich selber besitze. 
Und wenn em@ils herein schneien (einige habe ich hier zusammengetragen ) mit der Frage nach Noten und Songtexten - und das teils von jungen Menschen - dann merke ich: es besteht auch heute noch ungebrochenes Interesse an unserer zeitlosen Musik und diesen alten Geschichten. Wieder andere rufen an und wollen einfach nur quatschen über gemeinsame alte Zeiten oder berichten von ihren persönlichen, teils sehr privaten Erlebnissen, Begegnungen, Erfahrungen, die sie zu jener Zeit machten.

Infos über W&W findet ihr auf unseren websites, bei wikipedia©, YOUTUBE© und bei facebook© - dort gibt es auch eine mehr oder weniger aktive Witthüser & Westrupp-Gruppe: googelt Euch durch...

 

ch arbeite mit diesem Buch die W&W-Zeit auf, in Italien ist es Serena Gallela, die an einem Filmprojekt über Bernd "Barnelli" Witthüser arbeitet, das auch diesen (W&W) Abschnitt seines musikalischen Schaffens zeigen soll, doch in erster Linie die über 40 Jahre währende Italien-Karriere von Bernd zum Thema haben wird (den Trailer zu diesem Projekt findest Du unter dem Bild). 

eber 50 Jahre sind vergangen
 und es geht immer weiter:

...war ja auch ganz nett damals.

In diesem Sinne
bleibt gesund

Glück Auf

Walter Westrupp

 

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68er nach Noten - Kapitel 13: Nachwort
©
2007 by Walter Westrupp
, letztmalig aktualisiert Januar 2021