Trips und Träume - Witthüser Westrupp - 68er nach Noten

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Die 2. Produktion von Witthüser & Westrupp

Auf der Suche nach einem neuen Weg klopfen wir an die Himmelstüre
Ein Mann namens Petrus öffnet ganz sacht und er fragt:
"Seid ihr es, die da kommen sollen, uns den Shit zu bringen?"

Wir streichen aus alle, die wir kennen - uns eingeschlossen -
und wir treten ein in den ewigen Frühling
wir sehen die himmlischen Heerscharen mit den ewigen Joints auf ihren Wolken sitzen 
und ihr Gesang steigt unaufhaltsam in den Händen der Sonne

Witthüser & Westrupp - "Orienta" von der LP "Trips & Träume"
(hier anbei das Original-Script
Das ORIGINAL )

STUDIO DIERKSNIMM EINEN JOINTPPRESSE POLL PROMOTION

DIE ENTWICKLUNG UNSERER MUSIK

anuar 71 beginnen wir mit den Proben zum 2. Programm Trips & Träume“. Nicht von ungefähr ist dieser Titel gewählt, denn wir suchen und versuchen zu jener Zeit, unseren Horizont zu erweitern. Inspiriert durch eine zeitweilige Mitbewohnerin, die manchmal stundenlang im Lotossitz irgendwo auf ihrer Yogamatte im Weg rumsitzt und versucht, durch Meditation, OM-Gesänge und körperliche Verrenkungen ihre Erleuchtung zu finden, wollen wir diese Methode auch für uns nutzen. Wir sehen diesen Weg einer spirituellen Weiterbildung als vielversprechend an,  besorgen uns Einführungsliteratur und lernen fortan so einiges über Mantra, Karma, Reinkarnation, Atemtechniken, Körperübungen und die dahinterliegende Philosopie. Dabei stellen wir relativ schnell fest: das dauert und turnt uns irgendwie überhaupt nicht an. Es passt nicht: weder zu uns noch zu unserer Lebensweise und bringt uns musikalisch auch nicht wirklich weiter - wir wollen ja keine Hare-Krishna-Sänger werden. Da greifen wir lieber zurück auf Hilfsmittel zur Bewußtseinserweiterung, die uns mittlerweile in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen: die wunderbar weichen Halluzinogene (Haschisch, Marihuana und LSD). Damit gelingt es relativ schnell, uns in und mit der Musik weiter zu entwickeln, in geplanten Experimenten an unsere Grenzen zu stoßen. Veränderte Bewusstseinszustände, emotionale Sinneswahrnehmungen, tiefe musikalische Erfahrungen und gemeinsame Erlebnisse auf unseren Trips füllen uns aus und lassen gar keinen Platz für andere Themen. Für unser Vampir-Programm haben wir zunächst die Texte geschrieben und dann die Musik dazu komponiert - und waren dabei relativ nüchtern. Jetzt haben wir nächtelange gut vorbereitete konstruktive und intensive  Musik-Sessions mit teils sehr detaillierter Aufgabenstellung. Alles wird aufgenommen, hinterher abgehört und die guten Ideen, die wir finden, verwenden wir weiter: seien es eingängige Riffs oder Rhythmen, eine besondere ausgefallene Instrumentierung oder Harmonieenfolge - all das bringt uns schneller musikalisch weiter, was ja auch der Sinn unserer "Arbeit mit Trips" ist.  

Als 3. Mann holen wir Bernd „Curny“ Roland (Ex-No-Bassist, Weg- und Kampfgefährte aus jungen Tagen) als Bassisten mit ins Boot und mit ihm kommt erstmals Elektronik in die Gruppe. Damit wir neben ihm bestehen können, setzen auch wir - neben unseren nach wie vor genutzten Akustik-Instrumenten - Verstärker und Elektro-Gitarren ein. W&W mit Bernd "Curny" Roland bei einer heiligen Handlung Die Musik wird dadurch sphärisch-schwebend (passend zum Zustand), die Texte abgehoben und doppelsinnig, eben auch passend zum Titel und Programm oder auch umgekehrt. Wir üben nach wie vor im JZ Essen, wo wir merken, dass uns noch 1 bis 2 gute Stücke fehlen. Musiken haben wir ja nun genug, allein die Texte fehlen. Da fällt mir - ganz zufällig - das "Reimbuch" von Willy Steputat in die Hand (ein unverzichtbares Werk für einen Texter), und unter der Endung "AN" werde ich fündig. Ruck zuck entsteht der Text zu Trippo Nova - so einfach kann das Liederschreiben sein mit Hilfe der "Reimdichodericherschlagdich"-Technik:

"W
ir sitzen im Aeroplan
und suchen nach Klein-Kurdistan
um zu sehen Vetter Florian...
"
(Original-Script von damals
Das ORIGINAL )

Nachdem wir für die avantgardistische WDR-Fernsehreihe OKIDOKI unseren Flipper-Hit, visualisiert mit artistischen Bewegungen einer Tänzerin(?!), eingespielt haben - angekündigt als "progressives 2 Mann-Orchester aus dem Ruhrpott" - erfolgt unser erster öffentlicher Auftritt mit dem neuen T&T-Programm im März 71 aus Platzgründen nicht wie ursprünglich vorgesehen im Jugendzentrum, sondern in der ausverkauften Aula des Burggymnasiums in Essen vor einem begeisterten Publikum – wir sind avanciert zu echten Lokalgrößen. Aufgenommen wird dieses Konzert von einem WDR-Fernsehteam für ein Band-Portrait, das Interviews, Aufnahmen von Proben und neben unserem südamerikanisch angehauchten speziell-flotten Dreier-Liebeslied auch Das fröhliche Lied des Bergarbeiters vor der Zechenstilllegung aus Bernd Witthüsers Ruhrgebietsliedermacherzeit zeigt - beides Texte des Essener Schriftstellers und Künstlers Thomas Rother:




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STUDIO DIERKS

anach werden Schwachstellen ausgemerzt – und dann geht es zunächst wieder auf Tour. Diesmal ist der Süden Deutschlands unser Ziel (bisher eher W&W-Diaspora) und nach einigen erfolgreichen Konzerten landen wir am Ende des Monat in Stommeln. Unser Ziel dort ist das Studio Dierks, wo die Aufnahmen für unsere 2. LP in Angriff genommen werden. Dass dieses Studio einst eines der angesagtesten und größten in Europa werden würde, in dem Tina Turner und andere weltbekannte Acts antreten und Dieter Dierks einer der erfolgreichsten Produzenten wird, war damals so noch nicht abzusehen. Während der folgenden Jahre, in denen wir noch zwei weitere Produktionen dort aufnehmen, können wir verfolgen, wie das Studio immer weiter wächst, wie spezielle Aufnahmeräume (gekachelt, abgedämpft, speziell ein-  und ausgerüstet) entstehen, Räume für die Technik und Büros (an)gebaut werden, ein Haus für die Musiker eingerichtet wird, wo sie während der Produktionen wohnen können: das alles ist wahrlich gigantisch. Und bei unserer Live-Produktion, die 1973 bei Konzerten in Freiburg und Koblenz aufgenommen werden, kommt ein mobiles Studio zum Einsatz. 

Doch zurück ins Jahr 1971: wir wohnen in einer kleinen Pension ca. 2 km entfernt vom Studio in Pulheim. Das Studio liegt - wie schon gesagt - in Stommeln an der Hauptstraße dieses kleinen Ortes, versteckt hinter Mutter Dierks` Lebensmittelladen und ist gerade im Aufbau. Dieter hatte im Lager des elterlichen Geschäftes angefangen, Karnevalslieder für seinen Vater mittels 2 REVOX-Maschinen zu produzieren, hat dann für dieses Hobby ein ausgedientes Mischpult vom WDR angeschafft und im Garten hinter dem Haus seiner Eltern begonnen, ein Studio zu bauen - damit stieg er endgültig ein ins Producer-Geschäft. Seine damals erfolgreichste Arbeit lief mit den Scorpions, die unter seiner Regie ihren Aufstieg schafften.

Bei und mit Dieter wird unsere musikalische Arbeit neu eingenordet und justiert: ein lockeres familiäres Arbeitsklima, ein technisch hochwertiges Umfeld, verbunden mit einer anderen Vorgehensweise bei den Aufnahmen  als seinerzeit bei der ersten LP in Hamburg. Für uns ist das ein Quantensprung, sozusagen ein Umstieg von einem Lloyd in einen Porsche, Das Aufnahmestudio ist ausgestattet mit einem riesigen Mischpult und ein erster Aufnahmeraum ist auch schon fertig - der Rest liegt noch im Dunkel und besteht zunächst nur auf dem Papier. Technisch ist das Studio auf dem neuesten Stand - es gibt noch keine Computer, es wird analog auf Band gespeichert, in einer Werkstatt löten 2 Techniker kräftig an Schalttafeln, die ein quadrofonisches Aufnehmen ermöglichen sollen. Was Dieter aus den vorhandenen Möglichkeiten herausholt, ist sensationell - seine experimentierfreudige Studioarbeit ermöglicht Klänge, die zu dieser Zeit in Deutschland eigentlich nur noch im Studio von Conny Planck geschaffen werden: ansonsten heißt es in deutschen Studios: eine Gitarre ist eine Gitarre - und so hat sie auch zu klingen. Nicht so hier: Dieters Mitarbeit und sein Einfallsreichtum bei den Aufnahmen ist phantastisch, seine ruhige, ausgeglichene Art bringt bei Spannungen, die bei der Studioarbeit immer wieder auftreten, schnell wieder alle auf den Teppich. Kaiser und er verstehen sich gut, Geld spielt bei der Arbeit dort (für uns sowieso) scheinbar keine Rolle - wir stehen in keinster Weise unter Zeitdruck. Wir werden rundherum versorgt - dafür sorgt Mutter Dierks mit Schnittchen und Kaisers Kaffee.
ir füllten zunächst den Aufnahmeraum mit unseren Instrumenten: Bernd hat ja nur seine Gitarre sowie Banjo und Mandoline mit, Curny seinen Bass samt Verstärker, ich dafür einen großen und viele viele kleine Koffer und Köfferchen: quasi mein gesamtes Arsenal an Instrumenten samt Zubehör. Das beginnt mit den Fingerhüten fürs Waschbrett, Kolophonium für den Geigenbogen, Fett für den Zugposaunenzug sowie Öl für die Trompetenventile, 3 Ukulelen (Sporan-Eigenbau, normal und Tenor), geht weiter mit a- und e-Gitarre, Trompete und Posaune, Bongos, diverse C- und F-Flöten sowie einen Patronengurt mit Mundharmonikas, Windspiel und dicke Zing samt Becken und Glockenspiel, Flexaton, Kolbenflöte, Saxophon, Zimbel, Psalter, Xylophon, ein Harmonium, Maultrommel, Triangel, Tambourin - und endet bei Kuhglocken, div. Klanghölzern, Kastagnetten sowie ich weiß nicht mehr was noch allem: ich habe prophylaktisch eben alles eingepackt und mitgebracht, was vielleicht einsetzbar sein könnte - und das war sehr gut, denn so kommt es letztendlich auch: wir haben (fast) alles einsetzen können. 
Als Stunden später das gesamte Vorgenannte ausgepackt, eingeräumt und an seinem Platz ist, werden zunächst die Instrumente gestimmt. Wir setzen uns kurz zusammen und besprechen den Ablauf der 1. Aufnahmen - und schon geht es an die "Arbeit": wir spielen im Studio Instrument für Instrument einzeln und hintereinander ein – für uns ist diese Arbeitsweise neu und zunächst hemmend. Nach relativ kurzer Eingewöhnungsphase werden wir locker, die Atmosphäre im Studio stimmt, und die Produktion macht allen Beteiligten mehr und mehr Spaß. Wir lernen, dass eine Musikproduktion wie die Erstellung eines Filmes abläuft: es braucht zunächst ein gutes Drehbuch (also Text und Musik), einen Produzenten mit Visionen und der nötigen Knete, ein professionell eingerichtetes Aufnahmestudio - und einen Regisseur (den Studioleiter), der seine Technik beherrscht und die Darsteller in ihrem Tun unterstützen kann - sie fördert und fordert. Wenn dann alle Mitwirkenden eines solchen Projektes an einem Strang ziehen, sich gegenseitig Tips und Anregungen geben, wenn sie wissen, was sie wollen und ihre jeweiligen Fähigkeiten einfließen lassen in so eine Produktion, dann kann etwas Besonderes geschaffen werden. Wir sind in einem Flow - sind hoch sensibilisiert und erkennen beim Abhören sofort: hier fehlt ein Übergang - versuch mal die Mundharmonika - kannst Du den Psalter auch zupfen? - es klingt schöner, wenn Du die Saiten klingen lässt - spiel´ das doch mal mit 2 F-Flöten - eine Posaune ist zu dünn, da gehört ein Posaunenchor hin: es entwickeln sich bei der Arbeit im Studio spontan neue Klänge, aus denen eine ganz eigene rauschhafte Atmosphäre entsteht, die dieses Projekt letztendlich auch ausstrahlt.
Absoluter Höhepunkt bei der Produktion eines Titels ist der Moment, wenn alles "im Kasten" ist, wenn alle Instrumente, Stimmen, Chöre und die Percussion eine Spur bekommen haben, vom Klang her eingetrimmt sind, Dieter nach einigen Probeläufen alle Spuren im Kopf hat und  -  fast wie Weihnachten zur Bescherung - uns in den Regieraum ruft, um das Ergebnis von Aufnahmen und Mischung zu präsentieren.
Es ist ein unbeschreiblich beglückendes erregendes Gefühl, wenn all meine Emotionen und Ideen - und natürlich auch die aller anderen Beteiligten - als Gesamtwerk aus den Lautsprechern der quadrophonischen Studioanlage über uns hinweg rollen: so wie wir uns das in unseren kühnen Träumen vorgestellt haben - orgastisch und mit (fast) nichts zu vergleichen.... 


Renee Zucker - hier ein aktuelles Bild
enee Zucker, Essener Urgestein, die zu Besuch ins Studio kommt, wird gleich bei 2 Stücken mit eingesetzt (sie erzählt die Geschichte von Karlchen* und seinen Erlebnissen mit den wilden Riesenhunden) und ist mit ihrer irrsinnigen Klaviertechnik maßgeblich an der Entstehung des englischen Walzers beteiligt, aber auch Dieter Dierks und Gille Lettmann werden bei den Chören aktiv eingesetzt. Wir probieren ganz in Ruhe – ohne Termin-Stress und Zeitdruck oder irgendwelche Blicke auf immer höher werdende Studiokosten – neue Dinge aus wie z.B. die Doppelflöten bei Orienta, das Klavier bei dem "kaputten" Walzer, den "gestrichenen" Psalter (fälschlicherweise oft als Zither bezeichnet) bei Lass uns auf die Reise geh´n und den schon erwähnten (Posaunen)chor bei Karlchen. Wir bauen all die Riffs, Bassläufe und  Versatzstücke in die Musik ein, die wir uns bei den "Proben" in der Viehoferstraße erarbeitet haben. Gemeinsam wird abgehört, verworfen, diskutiert, gelacht, geraucht: es ist eine total relaxte Stimmung, was der Produktion anzumerken ist – das gesamte feeling ist stimmig. Fans und Zeitungsleute besuchen uns und erleben Gleiches
- und das Plattencover passt perfekt dazu.

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NIMM EINEN JOINT MEIN FREUND

ndlich haben die Kiffer in Deutschland auch mal „eigene“ Songs in der Landessprache, die sie sich reinziehen können. Die Promotion-Maschinerie von Kaiser läuft auf Hochtouren und die Pressefotos von uns wie auch das Single-Cover werden tatsächlich fast überall abgedruckt: nackend mit Karlchen, mit dickem Joint und/oder mit Wasserpfeife und dem dicken OHR-Ballon zwischen den Beinen... "Wir fahren mit dem Leiterwagen um die halbe Welt, wir machen Abstecher nach oben und finden, dass bekiffte Engel sehr dufte Harfe spielen..." - oh Mann, waren das Zeiten, als so etwas unzensiert veröffentlicht wurde.

Hey, das ist ein Granate - oder?Unser Song Nimm einen Joint, mein Freund, der wie viele andere Songs dieser Platte auf sämtlichen Indexen steht, wird von den Freaks dankbar aufgenommen und heimliche Hymne der Subkultur. Nicht auf dem Index steht das Eingangslied dieser Produktion Lass uns auf die Reise geh´n mit diesem wunderschönen Text von Thomas Rother. Dabei erreicht dieses Lied im Zusammenhang mit den weiteren Songs der LP eine Bedeutung, die weder der Autor noch wir selbst auf dem Schirm hatten und die von den Indexierern gar nicht wahrgenommen wird. Es folgen manch nicht grade wohlwollende Rezensionen ("Ritt auf der Haschwelle" formuliert z.B. Jürgen Hainke von der NRZ Essen - und er war noch einer unserer nettesten Kritiker), andere nennen es "Musik, die im Kopf entsteht" - "aus der verpoppten Gartenlaube ausgezogen - ihr Standort ist nun die heitere Idylle..." oder "...was ihnen bleibt, ist Hasch & Rausch!" . Uns ist das alles recht, wir sind im Gespräch. Schon allein der Index-Vermerk spricht sich nicht nur in Fachkreisen rasend schnell rum - das kurbelt den Verkauf der LP an: das Ding läuft super gut!

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PRESSE, POLL & PROMOTION

elchen Erfolg wir als „Nicht-Schnulzen-Fuzzis“ haben, bezeugt dann eine von der Fachzeitschrift „Schallplatte“ durchgeführte Befragung bei 70 Fachjournalisten zum Deutschen Musikpoll 1971 für deutschsprachige Gesang-Duos: wir landen auf dem 3. Platz (8,6%) nur ganz knapp hinter Adam & Eve. Endlich im "Establishment", denn 70 Fachjournalisten aus Presse, Funk und Fernsehen können sich doch nicht irren (?!) Den gleichen Platz wie wir nehmen Ike & Tina Turner bei den internationalen Duos ein, und wir liegen sogar einen Platz vor Paul & Linda McCartney (3,2%) !
Und die erste Piratenplatte von uns ist auch auf dem Schwarzmarkt: bei einem Konzert in Münster haben Freaks einen Live-Mitschnitt gemacht und diesen auf Cassette gezogen. Die "Täter" sollen es sogar ganz gut gemacht haben: sie hätten die Atmosphäre sehr gut eingefangen - was immer das nun heißen mag...  

Eine Zeichnung von Walter aus der Zeit, als 

• die Haare noch dunkel

• die Augen noch glänzend 

• die selbst gedrehte "schwarze Krause" noch schmeckte

• die Mädchen noch Backfische hießen und so jung

• die Brötchen noch 6 Pfg. kosteten

die Welt noch in Ordnung war.

 

Zeichnung Walter
nsere Titel tauchen in den Hitparaden auf: zunächst in den St. Pauli- Nachrichten (!), wo neben Sex-Reportern und nackten Mädels auch ein1. Plazierung in den St. Pauli-Nachrichten: 10. Platz Musik-Journalist sein Unwesen trieb, der uns in sein Herz geschlossen hat: er puscht uns wie keinen Anderen: „Schöne anspruchsvolle Musik.... Nimm einen Joint und Lass uns auf die Reise geh´n sind echte Hits, und Ohr sollte deutlich mehr für W & W tun!“. Wir nehmen hier im Laufe der nächsten 2 Jahre fortwährende Spitzenpositionen ein und belegen mit "Nimm einen Joint" über 20 Wochen Platz 1. 
„Lass uns auf die Reise geh´n“ kommt in der SWF 3-Hitparade, wo wir in Frank Laufenberg einen weiteren "Fan" sitzen haben, auf einen Vorderplatz. Mit Frank, der auch später noch uns und unsere Musik mit dem Jesuspilz fördert, und mit Manfred Sexauer, der uns in seine Nachtsendungen einlädt, haben wir zwei Verbündete im Süden sitzen, die uns auf unserem musikalischen Werdegang wohlwollend begleiten.
Neben diesen Zeitungs- und Rundfunk-Erscheinungen geht unser Knochenjob natürlich weiter: der Konzerttermine werden immer mehr. Und dazu dann immer häufiger Presse-Termine mit Zeitschriften, Zeitungen und Fachjournalen, Platten-Promotion-Radio-Touren durch die deutschen Sender, Besprechungstermine mit Produzent und Plattenfirma. Bei einem Süddeutschen Sender spielen wir Nimm einen Joint mein Freund und rauchen dabei einen überirdisch riesigen Joint, pusten den Rauch durch die dicke Zing - sowas wäre heute gar nicht mehr möglich. In Anzeigen für die Platte sieht man uns mit großen Joints oder Wasserpfeife rauchend - es ist für uns ein riesen Happening. Rolf-Ulrich Kaiser dreht so richtig am großen Rad: Zum Einen kennt er Gott und die Welt bei Zeitungen, beim Radio und Fernsehen - die kennen ihn auch, und wer ihn nicht kennt, der lernt ihn jetzt richtig kennen: er weiß, wie in Redaktionen gearbeitet wird, und entsprechend lanciert er seine Werbung. Zum Anderen ist er ein zähes Arbeitstier: fliegt er irgendwo vorne raus, kommt er hinten wieder rein. Er ist nur noch für seine (und damit auch für unsere) Sachen unterwegs - und erwartet den  gleichen Einsatz von uns...
Er bombardiert alles und jeden mit Werbung: "Hauptsache, es wird über Euch berichtet." Dieser Hans Dampf kennt keine Pausen - und uns gönnt er auch keine mehr: "Ihr seid jetzt im Geschäft - also muss dringend eine neue Platte her." OH NEE...

Erfolg hat seinen Preis – unsere freie Zeit wird knapper!

* Zu Karlchen: er war uns zugelaufen, er fand es bei uns ganz toll und lebte als vollwertiges Mitglied in unserer Kommune, ging mit ins Podium und auf unsere Konzerttouren. Er verursachte fast einen Totalcrash, als er auf einer Autobahnfahrt anfing, sich mit meinem Hosenbein zu streiten und ich beim Schlichtungsversuch den Lenker verriss und in die Leitplanke krachte - knapp an einem Brückenpfosten vorbei. Er schlief mit im Auto, er lag bei den Konzerten in Bernhards Gitarrenkoffer auf der Bühne und bewachte unser Equipment.
Wann und wie er zu uns kam, weiß ich nicht mehr, bei einem Konzert im Bunker Ulmenwall in Bielefeld am 03.04.1970 verließ er uns - diesen kleinen schwarzen Kerl werde ich nie vergessen...

 

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2002-2021 by Walter Westrupp - letzte Aktualisierung im 2.Lockdown Juni 2021