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Wir trinken dann im wilden Wahn
den Lebertran aus Zellophan
und suchen - ganz spontan
mit jaulendem Sopran beim Vatikan Uran
(aus Trippo Nova - CD Trips und Träume)

anuar 71 fangen wir mit den
Proben zum 2. Programm „Trips & Träume“ an. Als 3. Mann
holen wir Bernd „Curny“ Roland (Ex-No-Bassist, Weg- und Kampfgefährte
aus jungen Tagen) als Bassisten mit ins Boot und damit kommt erstmals
Elektronik in die Gruppe. Damit wir neben ihm bestehen können, setzen
auch wir - neben unseren nach wie vor genutzten Akustik-Instrumenten -
Verstärker und Elektro-Gitarren ein. Die Musik wird dadurch sphärisch-schwebend
(passend zum Zustand), die Texte abgehoben und doppelsinnig, eben auch
passend zum Titel und Programm oder auch umgekehrt. Wir üben nach wie vor
im JZ Essen, aber der erste Auftritt erfolgt im März 71 aus Platzgründen
in der ausverkauften Aula des Burggymnasiums in Essen vor einem
begeisterten Publikum – wir sind avanciert zu echten Lokalgrößen.
Aufgenommen wird dieses Konzert von einem WDR-Fernsehteam für ein
Band-Portrait. Danach werden Schwachstellen ausgemerzt – und dann
geht´s wieder auf Tour.
Diesmal ist der Süden Deutschlands unser Ziel (bisher eher
W&W-Diaspora) und nach erfolgreichen Konzerten gehen am Ende des Monat
nach Stommel ins Studio Dierks, wo die Aufnahmen für die 2.Lp in Angriff
genommen werden. Hier ist nun professionelles Arbeiten angesagt als bei
den Aufnahmen zur ersten LP in Hamburg: wir spielen Instrument für
Instrument einzeln ein – eine für neue und zunächst hemmende Art der
Arbeit. Doch nach einer Eingewöhnungsphase werden wir locker, die Atmosphäre
im Studio stimmt, und die Arbeit macht allen Beteiligten mehr und mehr Spaß.
Renee Zucker, Essener Urgestein, die zu Besuch ins Studio kommt, wird gleich
bei 2 Stücken mit eingesetzt (sie erzählte die Geschichte von Karlchen
und seinem Erlebnis mit den wilden Riesenhunden und war mit ihrer
irrsinnigen Klaviertechnik maßgeblich an der Entstehung des englischen
Walzers beteiligt), auch Dieter Dierks und Gille Lettmann werden aktiv
eingesetzt. Wir können ganz in Ruhe – total
ohne Termin-Stress und Zeitdruck oder irgendwelche Blicke auf immer
höher werdende Studiokosten– Dinge ausprobieren (die Doppelflöten bei
Orienta, den kaputten Walzer, den Posaunenchor etc.) Gemeinsam wird abgehört,
verworfen, diskutiert, gelacht, geraucht: es ist eine total relaxte
Stimmung, was man der Produktion auch anmerkt – das gesamte feeling ist
stimmig. Fans und Zeitungsleute besuchen uns und erleben Gleiches .
Endlich haben die Kiffer in
Deutschland auch mal „eigene“ Songs in der Landessprache, die sie sich
reinziehen können.
Unser Song „Nimm
eine Joint, mein Freund“, der wie viele andere Songs dieser Platte auf sämtlichen
Indexen steht, wird bei den Freaks dankbar aufgenommen und heimliche Hymne
der Subkultur. Nicht auf dem Index steht das Einganglied dieser Produktion "Lass uns auf die Reise geh´n" mit
diesem schönen Text von Thomas Rother. Dabei erreicht dieses Lied im Zusammenhang mit den
weiteren Songs der Lp eine völlig andere Dimension, als der Autor wohl
ursprünglich gemeint hat und die von den Indexierern gar nicht
wahrgenommen werden kann. Uns ist das alles recht, denn allein 1 Index-Vermerk
spricht sich in Fachkreisen rasend schnell rum - und kurbelt so der Verkauf der Lp
an: das Ding läuft supergut.
elchen Erfolg wir als „Nicht-Schnulzen-Fuzzis“ haben, bezeugt dann
eine von der Fachzeitschrift „Schallplatte“ durchgeführte Befragung
bei 70 Fachjournalisten zum Deutschen Musikpoll 1971 für deutschsprachige
Gesang-Duos: wir landen auf dem 3. Platz (8,6%) nur ganz knapp hinter Adam
& Eve. Den gleichen Platz wie wir nehmen dabei Ike & Tina Turner
bei den internationalen Duos ein, und wir liegen sogar einen Platz vor
Paul & Linda McCartney (3,2%) !
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Eine
Zeichnung von Walter aus der Zeit, als
• die Haare
noch dunkel
• die Augen
noch glänzend
• die
selbst gedrehte "schwarze Krause" noch schmeckte
• die
Mädchen noch Backfische hießen und so jung
• die
Brötchen noch 6 Pfg. kosteten
die
Welt noch in Ordnung war. |
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nsere
Titel tauchen in den Hitparaden auf: zunächst in den St. Pauli-
Nachrichten (!), wo neben Sex-Reporten auch ein Musik-Journalist sein
Unwesen trieb, der uns in sein Herz geschlossen hat: er puschte uns wie
keinen Anderen: „Schöne anspruchsvolle Musik“.... „Nimm einen
Joint und Lass uns auf die Reise geh´n sind echte Hits, und Ohr
sollte deutlich mehr für W & W tun!“. Wir nehmen hier im
Laufe der nächsten 2 Jahre fortwährende Spitzenpositionen ein und
belegten mit "Nimm einen Joint" über 20 Wochen Platz 1 ein.
„Lass
uns auf die Reise geh´n“ kommt in
der SWF 3-Hitparade, wo wir mit Frank Laufenberg einen weiteren Fan sitzen
haben, auf einen Vorderplatz. Mit Frank, der auch später noch uns und
unsere Musik mit dem Jesuspilz fördert, und mit Manfred Sexauer , der uns
in seine Nachtsendungen einlädt, haben wir zwei Verbündete im Süden
sitzen, die uns auf unserem weiteren Weg wohlwollend begleiten werden.
Neben diesen Zeiterscheinungen
geht der Job natürlich weiter: der Konzerttermine werden immer mehr. Und
dazu dann immer häufiger Presse-Termine
mit dem Stern, mit Zeitungen und Fachzeitschriften,
Platten-Promotion-Radio-Touren durch die deutschen Sender,
Besprechungstermine mit Produzent und Plattenfirma... Erfolg hat eben
seinen Preis – unsere freie Zeit wird knapper |