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Die Teebeutelhochhebmaschine

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So lange sich das Nilpferd sich im Nile badet
solange eine Flasche Wein zu zweit allein
zu haben ist uns auch nicht schadet
solange sich im Bett noch was erregt:
Freut Euch wenn das Karakulschaf blökt

Solange der Himmel seine Federn nicht verliert
solange die Sonnen noch nicht zittert und nicht friert
solange unsre Schimmel noch nicht schwarz, die Rappen weiß
die Gletscher  in den Alpen, nicht im Harz oder wo es heiß
solange man sich bei gehen noch nicht niederlegt
Freut Euch wenn das Karakulschaf blökt

Solange die Kinder noch nicht ausgebrütet werden
die Leiber noch nicht schwer, nein leicht auf dieser Erden
solange unsere Schächte tief sind und nicht nach oben steigen
und lachen, vöglen, nichts verjubeln nichts vergeigen
solang die Schnecke langsam sich bewegt
Freut Euch wenn das Karakulschaf blökt

Kommt erst der Wal landeinwärts gezogen
aufrecht auf einem Bein nach hinten gebogen
dann hat die Chose keinen Zweck gehabt
dann haben wir viel Mist und and´ren Dreck gehabt
dann ist es nichts gewesen mit dem zweibeinigen Wesen
drum freut Euch wenn das Karakulschaf blökt

Thomas Rother - ein Lied von der W&W "Live*68-*73" Do-LP


Erleuchtung ErfindungGebrauchsanweisungDer FilmSequenzen • 
Bild der TEHOMA  • die DVD


Die Erleuchtung

s ist ein Tag Anno 1969. Plötzlich und unverhofft kommt mit Donnerklang ein verdammt klarer Geist über uns (kein Alkohol!). Wir hocken gerade in Bernhard Witthuesers Kammer, in der 3. Etage der Viehofer 25 (er hat sich mittlerweile verbessert und ein Zimmer ohne Schräge) – ziemlich versteckt direkt hinter dem Orgelstudio von Musik Gräf. Während im Studio selbst mal wieder georgelt wird – also Orgelunterricht gegeben wird - wollen wir bei einem Tässchen Tee die Lp´s durchhören, die wir uns mal wieder im Musikgeschäft unten im Haus ausgeliehen haben, immer wieder auf der Suche nach interessanten und verwertbaren Neuerscheinungen. Das fällt aber kurzfristig aufgrund des fürchterlichen Georgels im Vorraum flach.

Also sitzen wir stumm vor dem Totenkopf, der in seinem Käfig auf dem Schreibtisch steht, haben unsere dampfenden Tassen mit heißem Wasser vor uns stehen und tauchen unsere Teebeutel auf und ab.

Und jetzt – plötzlich und ehrlich völlig unerwartet weil ohne Ankündigung, ohne Anmeldung und selbst vom Totenkopf nicht erkannt - kommt besagter Geist mit Donnerschall und öffnet uns Geist und Augen – als würden wir uns in einem Spiegel seh´n. Und als wir uns da so sitzen sehen – quasi von außen – da fällt es uns wie Schuppen aus den Haaren. Uns wird überdeutlich klar, dass diese Art der Teezubereitung unzeitgemäß, ja geradezu menschenunwürdig ist im Zeitalter der tschechischen Revolution, der Raumfahrt und der elektronischen (nicht zu überhörenden) Orgeln. Louis Amstrong spielt auf dem Mond Trompete, und wir sitzen hier und heben und senken unsere Teebeutel in heißes Wasser....

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Die Erfindung

Wir schauen uns an und unausgesprochen steht mit brennenden Lettern in die flirrende Luft: gemeißelt: es gibt noch kein technisches Hilfsmittel – erfindet es! Eine Maschine muss her, das ist uns sofort klar, und zwar eine Teebeutel - Hochheb - Maschine. Also ab an´s Zeichenbrett (?). Innerhalb von nur 1 (i. Worten: einer ) Nacht entwerfen wir eine Maschine, die Michelangelo nicht besser hätte zeichnen können und die uns dieses lästige entwürdigende Getue auf elegante Weise abnimmt und dem Teetrinker nun die Zeit gibt, menschenwürdig zu leben und Sinnvolles zu tun.

 Die ist leider nicht die Original-Zeichnung,  sondern ein Duplikat anlässlich der 1. Austellung 89 mit meinen Bildern
Der Konstruktionsplan der TEHOMA

Mit diesem unseren Konstruktionsplan rasen wir gleich morgens in die nächste Schreinerei und lassen uns gemäß den Vorgaben die diversen Einzelteile fertigen, rasen zurück und bauen an der Werkbank (Bernhards Schreibtisch) mittels Kompaktkleber und unter der Zuhilfenahme von Präzisionswerkzeugen wie Laubsäge und Nagelfeile dieses geniale Objekt zusammen. 

Zitternd vor Vorfreude sitzen wir (es ist auch zufällig gerade Nachmittag geworden und damit sowieso „Teatime“) vor dem fertigen Objekt und sehen fasziniert zu, wie präzise unsere Maschine arbeitet und den Teebeutel mittels einer Kurbel und revolutionärer Teebeutelhaltevorrichtung nun (zugegeben noch handgetrieben) nahezu vollautomatisch im heißen Wasser versenkt und bei der nächsten halben Umdrehung tropfend wieder herauszieht: einfach gigantisch. Da wir trotz Zeit- und Geldmangels zwei Prototypen gebaut haben, können wir unisono zu Werke gehen und Tee trinken. Wir vergessen Zeit und Raum – nach 20 Minuten kurbeln ist der Tee ungenießbar und kalt – aber das ist nun kein Problem mehr: wir haben ja jetzt die Maschine entwickelt, mit der dieses monotone Auf und Ab der Hand in eine menschenwürdige Drehbewegung umgekehrt wird und uns wieder zu Herren der Schöpfung macht. 

Flugs formulieren wir eine Gebrauchsanweisung, die für einen Normalsterblichen die Bedienung dieser Wundermaschine zum Kinderspiel macht.


Gebrauchsanweisung der Teebeutelhochhebmaschine

erzlichen Glückwunsch zum Erwerb einer Teebeutelhochebmaschine (TEHOMA). Diese Maschine wird weder auf  Kaffeefahrten noch auf Messen vertrieben, sondern ist – da nur in geringer Stückzahl vom Hersteller handgefertigt – auch nur bei diesem direkt zu beziehen. Sie ist ein Nebenprodukt der Weltraumforschung und wurde ausschließlich aus recyclingfähigen Materialien gefertigt. Die Maschine durchlief nach Fertigstellung alle Qualitätskontrollen. Sie wurde nach DIN-ISO 4711 gefertigt und erfüllt die Normen der EU-Richtlinie 007.

Die TEHOMA revolutioniert die Zubereitung von Tee mittels Teebeuteln auf genial einfache Weise: sie reduziert die bisher aufwendige und kräftezehrende vertikale Bewegung des gesamten Armes auf eine angenehm kleine Kreisbewegung der Hand.

Vor Einsatz der TEHOMA erhitzen Sie bitte Wasser in einer Tasse (E) und stellen diese dann genau unter den Galgen (C) in Höhe des Hakens des Hebeseils (D). Den Teebeutel hängen Sie (Beutel nach unten) mit dem Papierfähnchen an diesen Haken. Durch leichtes Drehen (ca. ½ Umdrehung) der Kurbel (A) wird der Teebeutel (B) nun über das elegant über den Galgen (C) geführte Hebeseil (D) in die Tasse (E) abgesenkt. Eine weitere ½ Umdrehung zieht den Teebeutel (B) wieder aus der Tasse (E).

Säubern Sie nach Gebrauch vor allem das Holzbrett (Grundplatte) der Maschine ausschließlich mit milden Reinigungsmitteln. Ansonsten ist die TEHOMA wartungsfrei. Defekte Hebeseile bekommen Sie im einschlägigen Fachhandel oder beim Hersteller direkt (Best.-Nr. HebS001/01). Bei sachgemäßer Handhabung werden Sie viel Freude an dieser Maschine haben, die es ihnen mit einer verdammt langen Laufzeit danken wird.


ir überlegen, ob wir eine Firma gründen sollen, werden uns aber nicht einig, welche Gesellschaftsform wir wählen sollen: direkt an die Börse als TEHOMA AG oder erst mal in Form einer Teebeutelhochebmaschinen-GbR anfangen. Auch Copyright-Rechte und Patent-Fragen beschäftigen uns nun. Sollen wir den Vertrieb über den einschlägigen Teefachhandel laufen lassen oder direkt über eine Teebeutel-Herstellfirma?

Es gibt viele Probleme, die wir nun haben. Zunächst – quasi in der Test- und Belastungsphase -  gehen wir sehr vorsichtig mit der Maschine an die Öffentlichkeit (sprich: sobald wir Besuch haben, kochen wir Tee, egal was die eigentlich trinken wollen). Und so ergibt sich zwangsläufig aufgrund der Genialität und der technischen Reife unsere Erfindung, dass unsere Maschine eine solche Furore im Bekannten- und Freundeskreis macht, dass wir mit der Produktion kaum noch nachkommen und alle vorgenannten Problem in den Hintergrund treten und in Vergessenheit geraten – wir sind selbständige Unternehmer in einem boomenden Markt – und dazu mit einer Monopolstellung!  

 

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Der Film

ach der Einführungsphase (alle Bekannten haben mittlerweile so eine Maschine)  beschäftigt uns ( auch im Hinblick auf eine gesicherte Altersversorgung) der innovative Gedanke, diese bahnbrechende Erfindung all den Menschen zugänglich zu machen, die uns (bisher zumindest) noch nicht kennen, die nie bei uns zu Besuch waren und auch nie sein werden und somit auch nicht unsere TEHOMA (Kurzform für Teebeutelhochhebmaschine) erleben und erfahren durften/dürfen.

Wir verzichteten kurzerhand auf eine Marktstudie (wie viele Teetrinker gibt es in Essen /Ruhrgebiet/ Deutschland/ Europa/ weltweit/ Kosmos!). Wir beschließen, uns nicht an die einschlägige Industrie wenden (die bescheißen einen ja nur) – wir werden selber kreativ aktiv und nehmen das Drehbuch für einen Film in Angriff, der in einzelnen Sequenzen die einfache, aber effektive und flexibel einsetzbare sowie erleichternd  beruhigende Anwendung der TEHOMA in Situationen des täglichen Lebens zeigen soll.

Einen Kamera-Mann haben wir schnell gefunden. Horst "Hulot" Horriar, Jungfilmer,  Filmvorführer und Partner von J:P: Hüster im JZ Essen), der erst mit langen Diskussionen von der Ernsthaftigkeit und dem existenziellen Sinn eines solchen epochalen Projektes überzeugt werden musste, willigt schliesslich ein, ohne Gage dieses Projekt mit in Angriff zu nehmen. Er steht fortan mit Rat und Tat und einer für damalige Verhälnisse recht professionellen Kameraausrüstung zu Verfügung.

Der Film wird genauso gedreht, wie hier beschrieben, und alles andere passiert auch – er ist der helle Wahnsinn: selten haben wir so viel Spaß zusammen und soviel Stress miteinander gehabt..

Zunächst wird die Erfindung als solche nachgestellt. Sie findet am Originalschauplatz in Bernhards Zimmer hinter Gräfs Orgelstudio in der Viehofer Str. 25 statt und zeigt zunächst W&W bei einer herkömmlichen entwürdingenden Teebereitungszeremonie.
Der Gedanke ward geboren, etwas Neues zu entwickeln. Pläne werden gezeichnet, und 2 Maschinen werden gebaut. 
Die eigentliche Geburt erfolgt aus Gründen der Dramaturgie in einer Höhle unterhalb der Ruine der Isenburg, die oberhalb des Baldeneysees in Essen liegt. In Zeitlupe kommen wir (Bernhard in schwarzen Sack gehüllt mit der Maschine in der Hand, ich im weißen Nachthemd) aus der Höhle und springen gemeinsam lachend und uns erfreuend an unsere Erfindung durch Wald und über Wiesen – die totale Zweisamkeit. Doch dann – das Böse im Menschen wird hier sehr deutlich herausgekehrt - will Bernhard mich bescheißen und unsere gemeinsame Erfindung nur für sich allein(!) nutzen und haut mit dem Ding ab (der Film wird schneller - Zeitraffer).

Er rast zum Bahnhof Stadtwald, sprintet vorne in der Zug nach Essen (ich hinten), springt Hbf Essen raus (ich immer hinterher) und die Hatz geht über die Kettwiger Strasse (es ist Sonntag Nachmittag bei gutem Wetter und halb Essen kommt grade vom Vormittagsspaziergang am Baldeneysee zurück und macht einen Bummel über diese zentrale Einkaufsstrasse der Innenstadt), quer durch die Biergärten und durch das Cafe Overbeck (diese Szene musste wg. Kameraklemmer 2x wiederholt werden trotz massiver handgreiflicher Proteste des Personals) bis vor den Altar des Essener Münsters, wo wir uns dann im Angesicht des Herrn wieder vertragen (der kirchliche und gesellschaftspolitische Auftrag einer professionellen Verfilmung wird hiermit auch erfüllt) und uns auf eine halbe/halbe-Verteilung der zu erwartenden Millionen - Tantiemen bei den Verwertungsrechten einigen. Wir besiegeln dies alles mit einem gemeinsamen Tee-Dreh unter der badenden Jungfrau am Wasserbecken des Kennedy-Platzes: gemeinsam sind wir stark...

 

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Nun geht es an das Drehen der Sequenzen:

.  Sequenz (Einsatz im Wilden Westen): Reiter in schwarz erscheint auf einem Gaul (ist noch eine positive Beschreibung dieses Kleppers) in einem Hohlweg.

Er reitet auf die Kuppe eines Hügels, schaut sich um, sieht eine Weide, hobbelt(?) dort sein Pferd an, macht ein Lagerfeuer, hängt an einem Holzgerüst einen Kessel auf und macht Wasser heiß. Dann packt er aus seiner Satteltasche eine zerlegbare Camping-Version der TEHOMA aus. (Derweil geht der Gaul stiften). Das Eingießen des Wassers aus dem Riesenkessel in eine kleine Camping-Tasse wird zur Katastrophe: hätte man ja auch mit der Tasse schöpfen können. Dann ist auch das Kesselstativ weggebrannt, der Tee wird kalt und für das Einfangen des Gaules brauchten wir 3 Stunden (der Bauer besteht unmissverständlich auf Rückgabe). Der essentiellen Satz fällt der Jagd zum Opfer und sollte heißen: „Ob im Zug, im Flugzeug, in Bus, Bahn und Auto oder per Esel und Pferd:  mit dieser Maschine habe ich immer ihren frischen Tee!

 
 
.  Sequenz (für den Mehrpersonen-Einsatz der TEHOMA): 6 gestandene Mannsbilder tanzen (teilweise sehr dürftig bekleidet - sprich: sie waren ganz einfach nackt)) mit Musikinstrumenten (Posaune, Geige, Psalter, Gitarre etc.) zwischen 2 Rammler-Hasen-Karnickeln um eine 6 Personen-TEHOMA herum, an der vom Oberteebeutelhochhebmaschinenmeister mittels der an dem über den Galgen geführten Teebeutelaufhänghaken angebrachten Querstange 6 Teebeutel synchron in entsprechend viele Tassen getaucht werden, was insofern eine zu große Herausforderung für den Teekocher war, da der Galgen meist querhing, wahrscheinlich aufgrund der Schwerkraft und unterschiedlicher Konsistenzen von Wasser und Teebeutelinhalt (?). 


Sequenz: Pokertisch, tief hängende Kegellampe, 4 Personen (Rocker, dicker Mann im Unterhemd, alter Mann mit Krücken, Zocker in Nadelstreifen), jeder mit einem Haufen Scheine vor sich (Tageseinnahmen aus dem Podium/unsere Szenekneipe). Langfinger Nadelstreifen-Helmut - heute Wirt des Landsknecht in Essen - gibt die Karten aus. Alle fangen an zu pfuschen (Karten im Ärmel, im Strumpf, in der Hosentasche). Alle erhöhen bis Ultimo, schieben ihre Knete in die Mitte und dann sagt Langfinger: Ich will sehen. Einer nach dem anderen lässt die Hosen runter: Full House, Flash, Royal Flash. Langfinger schaut einmal in die Runde - und lässt dann lässig sein Blatt auf den Tisch gleiten: 5 Kreuz Asse.  Schwenk und Spot auf die neben seinem Kreuz-Ass-Stempelkissen im gleißenden Licht stehende TEHOMA. Er dreht  mit seinen schmalen Fingern die Kurbel, der Teebeutel hebt und senkt sich und Langfinger spricht langsam und mit tiefer sonorer Stimme die für die Mitspieler unheilbestätigenden Worte: .....
Nee, schreib ich jetzt nicht: guck es Dir an...

Folgende Sequenzen werden angedacht, aber leider nie abgedreht, da andere Projekte Vorrang erhalten:

. Pfarrer beim Abendmahl, nachdem er das Brot verteilt und auf dem Altar den Tee „gedreht“ hat: Nehmet hin und trinket, dies ist ein Getränk, dass auch der Herr euch so bereitet hätte, hätte er denn damals schon diese wundersame Maschine zu Verfügung gehabt“. (Das ist ewige Ungnade einer zu frühen Geburt)

.  Mann (Walter) mit seiner Frau (Bernhard) beim Sex in einer kurzen Pause: „Mit dieser Maschine versage ich nie!“.

.  Freak beim Teekochen: „Mit dem auf dieser Maschine gedrehten Tee schmeckt mir mein Ha.-Kuchen doppelt gut, und die Dreh-Bewegung beim Teekochen erinnert mich immer wieder an die Drehbewegungen beim Joint-Drehen.“

.  Lehrer im Physik-Unterricht: „Hier zeige ich Euch ein geradezu sensationelles Beispiel dafür, wie angewandte Physikkenntnisse an der Schnittstelle Mensch/Technik das Leben von Menschen nachhaltig erleichtern und dazu beitragen, die abendländische Kultur positiv zu beeinflussen im speziellen Hinblick auf die Umwelt, die eigene Psyche und das Wohlbefinden von Generationen!“

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die DVD

 

Die DVD "Als wäre es gestern erst gewesen"

ie Vergangenheit holt mich 2004 ein - daher muss ich an dieser Stelle aus den 68ern mal heraus springen und Sie, liebe LeserInnen,  kurz in die Gegenwart entführen. 
Ich habe die ganzen langen Jahrzehnte nach dem Film geforscht. Den hat Hulot, der Kameramann - aber wo ist der? Dann finde ich irgendwann Hulot, aber der nicht die Bänder. Er bestreitet zwar nicht die Existenz - egal. 35 Jahre sind eine lange Zeit, da kann man ja schon mal was verlegen/verlieren/vergessen/verdrängen.
Aber verdammt - ich habe es immer geahnt: Wunder gibt es selbst in Essen immer wieder: im April 2004 taucht Hulot bei mir auf, und in seiner Jackentasche eine DVD mit Sequenzen der damaligen Filmaufnahmen: nicht alle, aber die wichtigen mit der Erleuchtung, Erfindung und Erschaffung, mit der Besiegelung des uns hoffentlich reich werden lassenden Verwertungsvertrages (mit der badenden Jungfrau als Zeugin), mit der Pferde- und der Poker-Szene und der 6-Tassen-auf-einmal-Dreh-Sequenz. 

Tonlose zeitgeschichtlich einmalige laufende Bilder in schlichtem schwarz-weiss: Kintop in Perfektion. EINFACH GENIAL. Einige der Sequenzen sind ja nun auch in die vorherigen Kapitel eingebaut.

Und auch Szenen des vorhin schon erwähnten legendären Elektrokaffeemühlen- Solokonzertes: Wir hatten damals den großen Saal des Jugendzentrums Essen zur Verfügung, wir hatten die Deep-Purple-LP "Concerto for Group and Orchestra" und wir hatten eine elektrische Kaffeemühle: was lag da näher als so etwas zu verbinden und in Bilder zu fassen und aufzunehmen.


 

Jetzt hatte ich also endlich die Filmschnipsel in Händen - und die waren sogar schon digitalisiert und mussten nur noch geschnitten, nachvertont und kommentiert werden. Und das war dann das gleiche furchtbare Erwachen wie beim Buchschreiben: wie mach ich das, womit mache ich das..was hab ich mir jetzt wieder aufgehalst?

Ich fasse mich kurz: von April bis Dezember 2004 saß ich nur noch am (neuen hochgerüsteten) Rechner, arbeitete mich in Video- und Audiosoftwaren ein, scannte und kommentierte und schnitt und renderte, was die Kiste hergab. Und dann kommt ja auch eins zum anderen: Ich fand blöderweise noch Videobänder mit alten W&W- Fernsehaufzeichnungen und baute die auch gleich mit ein, und als Bernd Witthüser den 1. Rohling  durchgearbeitet hatte, kam er auf die glorreiche Idee, doch noch die Jahre 1973-2003 mit aktuellen Bildern von ihm und mir einzuarbeiten - als hätte ich sonst nix zu tun. Aber was macht man nicht alles für einen alten Kumpel: auch das hab ich geschafft - und seit Dezember liegt nun dieses 1,5-Stunden-Werk im DVD-Recorder und zeigt den Werdegang von uns beiden Musikern anhand laufender Bilder und musikuntermalt von 1966-2003. Diese DVD mit dem Titel "als wäre es gestern erst gewesen" über Witthüser und Westrupp ist ein musikhistorisches Kleinod und sie hilft zudem, dieses Buch und die darin beschriebene Zeit "in echt" zu sehen und ( dann vielleicht besser) zu verstehen - mit W&W Musik und Nonsens (Comedy gab es ja damals noch nicht) und wirklich einmaligen Bildern!  

So, genug Werbung. Nur noch eins möchte ich noch los werden: Horst Horriar an dieser Stelle (jetzt leider posthum) ein dickes Dankeschön für die erfolgreiche Suche nach den Original-Film-Bändern: es hat sich gelohnt...DANKE 

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© 2001 by Walter Westrupp - letzte Aktualisierung 08.05.2018