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Wer schwimmt so munter dort im Meer
Wer schwimmt in jener Bucht dort hin und her
Wer ist immer lustig und immer froh
und wer erfreut die Kinderherzen so?
(aus "Flipper" - CD Nonnen, Tote, Vampire)
ir liegen in unseren
Zimmern in der Viehofer Straße 25 in Essen unter´m Dach und erholen uns von den Strapazen
der Podium-Nacht (unsere Stamm- & Szene - Kneipe). Es ist irgendwann
1970 so gegen 12.00 Uhr mittags -
highnoon - eigentlich
eine Zeit, wo niemand es wagen sollte, bei uns anzurufen (vor dem Frühstück können wir einfach noch
nicht denken und sind verdammt agressiv). Am anderen Ende der langen Leitung Rolf-Ulrich Kaiser, der Macher des Ohr Labels und unser
Produzent. Ich höre Bernhard: "Hast Du mal auf die Uhr geguckt? Weißt Du eigentlich, wie früh es
ist... ? ! ... ... Wer? Was? Wann? Was ist das? Ein Festival! Wir? Wer spielt
da? Ah ja, verarschen - um diese gottverlassene Zeit. ...Du spinnst!. Nein, vielleicht, ja, ich melde mich
noch mal, wenn ich
sprechen kann."
Beim Frühstück erzählt er
(ich will jetzt nix von seiner zittrigen Stimme erwähnen): WIR sollen auf dem
größten Open-Air-Festival auf deutschem Boden spielen - auf der Insel Fehmarn. Mit dabei
alles, was Rang und Namen hat: Rod Steward, Jimmy Hendrix, Sly & the Family Stone,
Emerson Lake & Palmer, Colosseum, Procol Harum, Mungo Jerry, Incredable
String Band, Renaissance, Peter Green, Taste, Ten Years after, Ginger
Bakers Airforce, Canned Heat...und Gott und die Welt... und Witthueser & Westrupp.
Ich glaub´s nicht und verschluck mich und
krieg Krämpfe und weiß: das ist zuviel für meine zarte Musiker-Seele
Wir geihern und lachen und schreien und tanzen und haben solche Muffe: 20 30.000 Leute
werden erwartet, und wir mit Ukulele und a-Gitarre und unseren Liebes- und
Vampirliedern - 2 kleine Davids gegen den Rest des Universums. Der Totenkopf im Vogelkäfig wackelt bedenklich mit
der
Kinnlade aber wir rufen RUK zurück und sagen - natürlich zu.
it unserem alten Mercedes Benz 280-Diesel
machen wir uns auf den Weg nach Fehmarn. Am Eingang zum Festival-Gelände abrupter STOP an der
Schranke. Die freundlichen, zuvorkommenden, liebenswürdigen und
hilfsbereiten Ordner von den Hamburger Hell-Angels hauen uns
erst mal eine
dicke Dülle in unsere Motorhaube, heißen uns aufs herzlichste
Willkommen und wollen unseren MERCEDES umkippen - bis wir ihnen
irgendwie klarmachen
können, das wir DIE Top-Acts (?) sind tatsächlich reindürfen - ja müssen
(was wäre das denn sonst ohne uns für ein Festival geworden).
Klatschnass geschwitzt fahren
wir durch dieses riesige
Festival-Gelände in Richtung Bühne: 10m (oder waren es 100) hoch,
gigantische Ausmaße, Orange-Türme bis in den Himmel. Wir haben schon einige große Festivals hinter uns - aber so etwas haben wir wirklich noch nie gesehen - Woodstock in old old Gernany. Gerade läuft der Soundcheck
mit Ginger Baker´s Air-Force und einigen obergeilen Tänzerinnen Hey Mann, ist das irre.
Und wir mittendrin...
Wir rauchen uns erst mal eine
oder zwei und melden uns dann in der "Baracke" (Festivalleitungs-Fertighaus
mitten auf die
grüne Wiese geklotzt) und wissen sofort, wir sind im Irrenhaus gelandet
und gleich kommen die Bewährungshelfer um die Ecke und legen uns allen hier
Zwangsjacken an: eine Hektik ohne Anfang und Ende, Telefone
klingeln, Leute schreien durcheinander, wo ist denn der schon wieder, wieso
sind die nicht da, wer seid ihr... Die Hell-Angels
wollen die Hütte plattmachen, weil sie noch keine Knete gesehen haben, Techniker rennen rein
raus raus rein, nach 3 Stunden hauen wir unverrichteter Dinge wieder ab und suchen uns ein schönes Plätzchen hinter der Bühne, wo wir unser
Ein-Mann-Zelt aufschlagen und einrichten (Hotel ist nicht drin) und machen uns mit der Umgebung vertraut.
Wir besteigen die Bühne und sind
von dem Ausblick erschlagen: überall Zelte und
Plastikfolien, soweit das Auge reicht. Am Horizont Liliputaner oder noch
kleinere Menschleinchen, die heftigst mit ihren kurzen Armen winken und rudern.

Die Bühne selbst ein Riesenteller. Wenn vorne eine Gruppe spielt, wird
auf dem hinteren Teil (getrennt durch eine Wand) das Equipment der
vorherigen Gruppe abgebaut und das der nächsten aufgebaut per
Aufzug werden die Sachen rauf- und runtergefahren. Wenn die vorne fertig
sind und die hinten auch, kommen die Hells, stecken ein paar Holzpfähle in
vorgebohrte Aussparrungen und drehen die ganze Scheibe samt Gerätschaften und
Musikern um 180° - und weiter geht´s mit Musik - genial.
rgendwann taucht dann
tatsächlich auch mal der
Veranstalter auf und erklärt, dass es für uns keine feste Auftrittszeit gibt
das wird kurzfristig entschieden. Ist uns aber auch egal, wir quatschen mit vielen
tollen Leuten, machen Musik und all das, was dazugehört.
Das Fest läuft, und mit ihm der große Regen. Es schüttet
ununterbrochen, die Leute stehen, sitzen und liegen im Schlamm - eingehüllt
in Regenjacken, Folien und Planen und hören sich die Cracks an, die
aufpassen müssen, dass sie über ihre nassen Instrumente und Mikros keinen gewischt
kriegen es passiert trotzdem.
Die schöne weiße Schleiflackanlage von Sly & the Family
Stone wird klitschnaß und dreckig, die Roadies fluchen, die Atmosphäre ist trotz (oder
wegen?) des Regens elektrisch geladen die Hells fackeln das schöne Fertighaus ab,
weil Sie mit dem Veranstalter Stress haben es ist nicht alles vom Allerfeinsten, was so
am Rande passiert. Hendrix
soll am
Samstag Abend spielen, aber der Regen machte es ihm unmöglich auf die Bühne
zu steigen wegen der Gefahr, elektrifiziert zu werden. Alle wollten den
Hendrix hören - dafür sind viele schließlich hierhin gekommen... am Sonntag
Morgen(?) soll er nun endgültig spielen - die ganze Nacht ist dies das Gesprächsthema Nummer eins.
Dann kommt der Sonntag morgen, und mit ihm die Sonne. Die vielen
Leutchen schälen sich aus ihren Südwestern, das Plastik wird eingerollt, man trocknet
langsam und will Musik hören aber keiner macht welche. Der
Veranstalter weckt uns - und ab geht´s. Als wir
die Bühne hinaufkommen und als deutschsingendes Duett angekündigt werden,
war das eigentlich nur interessant, weil die Leute dabei die Möglichkeit
hatten, einen schönen Platz fürs Hendrix anhören zu finden ... Und was für
ne Überraschung wir dann waren. Jimmy Hendrix liegt im
Hotel und ist nicht ansprechbar aber wir sind da und damit auch dran.
ir betreten mit unseren kleinen akustischen Instrumenten die
Riesenbühne und ernten den ersten donnernden Applaus. Als die Mikrophone
eingenordet sind und mein erster Ukulelenton über die Menge hinwegrollt, ernten wir
Ovationen. Und als Bernhard bemerkt "verausgabt euch nicht: gleich kommt noch Jimmy
Hendrix, der soll auch ganz gut sein", da haben wir gewonnen.

Unsere Musik akustisch,
ruhig und lyrisch wallt über das Festival-Gelände und wird eins mit dem sonnigen
Morgen. Es ist eine paradiesische Stimmung, ein unwiederbringliches Erlebnis für uns, wir
vergessen unsere Angst und gehen auf in der Musik. Lustig
heiter - wir bringen Licht in die Seelen der Festival Audienz... Und
die wollten MEHR, und dann NOCH MEHR, .. und als wir zum Abschluss unsere
Flipper-Hymne spielen, dürfen wir erst recht nicht von der Bühne Zugaben folgen.
Wir
-
mit Hilfe des Publikums - trotzen den Versuche der Veranstalter, den
Zeitplan einzuhalten und Hendrix
endlich starten zu lassen: wir waren so abgefahren und das Publikum mit uns, dass
sie den Hendrix warten ließen um uns zu hören... MEHR, MORE und wir
antworten mit einem Satz als Reaktion auf die weiteren
nichtendenwollenden Ovationen “...
wir sind eine ganz ganz junge neue Gruppe und wir haben nur ein sehr beschränktes Repertoire,
und deswegen fangen wir nun wieder von vorne an ".... und wir spielen
weiter und DER HENDRIX muss
warten...
Wir haben es geschafft. Wie im Traum kommen wir herunter
Schulterklopfen, Händeschütteln, Interviews geben, Veranstalteradressen entgegennehmen.
Wir wollen uns noch Alexis Corner anhören, aber alles spricht uns an: irre, Wahnsinn, unglaublich
für uns auch. Auf Jimmy warten wir nicht mehr: wir packen ein und hauen ab es ist
einfach zu mächtig.
ie Zeitungen küren uns hinterher zu den "Königen von
Fehmarn" den Abräumern des Festivals.
Zu hoch gegriffen? Für uns
war es DER GIG schlechthin, trotz
vieler anderer wunderschöner Momente in unserem Musikerleben.

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