Einleitung zum Online-Buch "1968er nach Noten" von Walter Westrupp über Witthüser und Westrupp

Zum vorigen Kapitel

Zum nächsten Kapitel


...Viele Dinge zeigt dieser Spiegel,
aber nicht alle waren, wie sie hier stehen.
Manche sind nie geschehen,
.
es sei denn, dass jene, die diese Seiten lesen
von Ihrem Pfad abweichen
um sie nachzuholen.

(Frei nach "Das Märchen vom Königssohn" / Bauer Plath) 


– Oh Mann, war das eine verdammt schöne wilde tolle affengeile erlebnisreiche emotionsvolle überschwängliche Zeit – jeder, der aktiv dabei war, der diese Zeit mitgelebt hat, wird sie niemals vergessen. Es gibt Zeitgenossen, die verdrängen oder verleugnen ihr Engagement in dieser Zeit, weil dies eventuell für ihr jetziges heutiges "bürgerliches" Leben und ihre Karriere einen „Makel“ bedeuten könnte auf ihrem schneeweißen Party-Jackett. Sie vergessen dabei, dass sie nicht das wären, was sie heute sind. 
Für mich, der ich diese Zeit damals lebte und so mit gestaltete, waren diese Erfahrungen existenziell und damit richtungsweisend für mein Leben, was im Klartext heißt: unvergesslich und unkaputtbar.

 
1968: damit verbunden sind Namen wie Rudi Dutschke, Benno Ohnesorg, Fritz Teufel, Axel Springer, Benno Ohnesorg, FJS und Willi Brand, Bader und Meinhof, Ho Chi Ming, Mao und Bewegungen wie Uni-Proteste,  Demos, Essener Songtage, Vietnam-Krieg, Hippies, Kommunen, antiautoritäre Erziehung, Emanzipation in jeder Beziehung: das Auflehnen gegen bestehende Strukturen und Verhaltensformen.

68er nach Noten: weil diese Zeit - auch musikalisch - neue Horizonte öffnet.
Die Songtage 68 in Essen zeigen das in plakativer Art der breiten Öffentlichkeit, und im Untergrund treibt die Subkultur den Zeiger der musikalischen (und damit verbunden auch textlichen) Bandbreite in nie gekannte Kreativ-Bereiche. Wir werfen die Fesseln des etablierten musikalischen Kulturgutes ab und betreten Neuland – jeder auf seine Art und Weise. Engagierte Liedermacher wie Franz-Joseph Degenhard und Dieter Süverkrüp geben vielen Bewegungen musikalischen Rückhalt, Nonsens-Gruppen wie Insterburg & Co machen echte Comedy (da gibt es diesen Begriff noch gar nicht), Theater- und Agitatoren-Gruppen wie First Vienna Working Group mischen das beschauliche Waldeck-Festival auf. W&W auf der Burg Waldeck Und in der Pop-Szene geben Gruppen wie Amon Düül, Floh de Cologne, Embryo, Limbus, Guru Guru, Tangerine Dream, Annexus Quam, Jerry Berkers, Bröselmaschine, Emtidi,
Hölderlin, Rufus Zuphall, Wallenstein, Birth Control, Ashra Tempel, Paul & Limpe Fuchs, Xhol, Can und viele andere mehr jetzt den Ton an. Und - mittendrin und voll dabei sind wir: Witthüser & Westrupp, Pop-Duo mit ausgeflipptem deutschsprachigem Folk-Rock – Exoten unter den Exoten.

Viele Bereiche der 68er-Bewegung sind mittlerweile von Insidern und Außenstehenden gebührend beschrieben, verrissen, gewürdigt worden. Auch die damalige Musikbewegung ist in vielen Veröffentlichungen durchleuchtet, rezensiert und in die entsprechenden Schubladen einsortiert. In Gesprächrunden wird immer wieder versucht, die politische Bewegung dahinter auszumachen. Dabei waren es - in allen Bereichen - junge Menschen, die sich von den verstaubten Vorstellung der Eltern, der Gesellschaft, der Politiker entfernten - die ihren eigenen Weg suchten abseits der ausgetretenen Pfade: auf dem Weg zu sich selbst.  
Denn zumindest diese Freiheit war durch eine demokratische Gesellschaftsordnung gegeben - der Mensch ist frei, wenn er eine Wahl treffen kann. Wir wählten - wenigstens einmal richtig!

Das wahre, das tatsächliche Leben damals– das muss jemand beschreiben, der es auch gelebt hat. Und das versuche ich – Autodidakt in der Literatur - mit diesem meinem Online - Buch.  

ieso eigentlich ein Online-Buch? Das ist eine Geschichte in dieser Geschichte, die so direkt gar nicht´s mit W&W zutun hat, aber dieses Buch letztendlich in´s rollen gebracht hat. Ich habe vor langer Zeit (im Oktober 03 sind es 25 Jahre her) in einer elend dunklen Nacht bei Vollmond einen Arzt kennen gelernt - er war mit seinen Vögeln unterwegs und ich mit meinen Hunden: eine tolle lange und total obskure Begegnung, die ich in einem Extra Kapitel breit getreten habe Eine (fast) unglaubliche Geschichte... ).
Also, dieser Doktor (er wurde auch im richtigen Leben mein Doktor) – ich nenne ihn der Einfachheit halber Dr. Jürgen Remy alias Doc -  fertigt mittlerweile zwar nicht mehr so richtig aktiv Patienten ab – dennoch  ist er Freund geblieben – mein Freund, auch der Freund meiner Frau (was den geneigten Leser hoffentlich nicht stört – mich jedenfalls nicht) und er ist auch  Freund und Partner meines Sohnes, mit dem zusammen er in den neuen Technologien praktiziert (Hardchor und Software): er gehört zur Familie – samt seiner Frau und seinen Söhnen und den Enkelkindern - ein wahrer Freund eben...

Doc ist Schuld, dass ich nun hier sitze und zu schreiben versuche. Er hat einfach - ohne Vorwarnung - eines Tages damit angefangen, (s)ein Buch zu schreiben. Nicht mit Block und Bleistift (das Gekrackkel hätte keine Sau lesen können– das hat nicht mal der Apotheker nach 30 Jahren Zusammenarbeit mit seinen Rezepten geschafft, und seine Kartengrüße von unterwegs erfordern ein mindestens 3semestriges Studium der Hieroglyphe -). Er schrieb sein Buch auf einem Laptop und hat es mittlerweile [Stand 05.2002] nach 2 Jahren Recherchen und Schreiberei und Verlagssuche etc.  veröffentlicht. Es steht in gebundener Form in meinem Bücherregal. Ätzend.

amit hat er mich (wahrscheinlich beabsichtigt? aber dennoch) schwer unter Druck gesetzt! Ja, ich gebe es offen und ehrlich zu, das hat mich a) schwer gewurmt (um nicht zu sagen umgehauen), aber dann auch b) sehr angeturnt. Die Idee zu einem Buch, zunächst einmal über die Zeit 1967 - 1973 mit Bernd Witthüser samt dem ganzen wahnsinnigen Drum und Dran und auch die Zeiten danach mit Freunden und der Walter h.c. Meier Pumpe schwirrt seit Urzeiten durch meine noch vorhandene graue Zelle. Doch bisher bekam ich allein bei dem Gedanken an eine Stichwortsammlung total wassermann-atypische kopfschmerzenartige Aussetzer. Bei einem ersten schüchternen Versuch der logistischen Bearbeitung des Projektes „Mein Buch“ türmte sich vor mir ein solcher Berg auf (wie geh ich vor, was ist wichtig, wo bekomme ich Informationen her und überhaupt, darf ich langatmig ausschweifen oder muss ich kurz knapp auf den Punkt kommen, damit der/die hochgeschätzte Leser/in nicht gleich das Buch wieder zuklappt), dass ich die Realisierung nach nur sehr kurzem Zögern (ca. 5 Sek. max.) auf die "Zeit nach der Arbeit" (sprich Rentenalter) verschoben habe: ein Buch soll ja – sagt man - bei seiner Veröffentlichung möglichst komplett sein – und diese Zeit hatte ich nicht - neben all der zermürbenden Tretmühle Arbeit, dem täglichen Feierabendstress mit Hunden, Katzen, Gartenarbeit und Renovierungen im Haus, mit Musik und Objekten und Homepage und Freunden und abends saufen geh´n  etc

bsolut erschwerend kommt dazu, das unsereiner/meinereiner sich damals natürlich keinerlei Notizen gemacht oder gar Tagebuch geführt hat. Wir haben weder Kasetten- oder Video-Recorder, Filmkamera oder Fotoapparat unser eigen nennen dürfen. Klar, es gibt noch Zeitungsschnipsel in irgendwelchen Ordnern auf dem Dachboden, und da sind auch die Singles und Lp´s (mittlerweile Cd´s) und die Waschzettel-Texte der Plattenfirma und alte Textbücher und tatsächlich: in meinem Schädel unter meinen weißen Haaren Erinnerungsfetzen an Begebenheiten aus und zu dieser Zeit, die in den weiten Gehirnwindungen meines Gedächtnisses kurz aufflackern und dann genau so schnell wieder abtauchen - meist des nacht´s, wenn die Sonne hinter der blanken Sichel des Mond versinkt, wenn ich mir vorkomme wie ein Wanderer, der nach Pilga mekkert, wenn der Holzwurm des Rückschritts auf die Beine kommt und mich fragt: „Hey Alter – bist Du´s, wo hast Du den Brösel versteckt?“ und ich nicht einschlafen kann, weil die Hunde im Traum aufjaulen und die Katzen brummend quer auf meinem Bett liegen, so dass ich meine Beine bis unters Kinn ziehen muss, dann fallen mir (trotz meiner im Anfangsstadium befindlichen  Arnheimer, aber auch nur, weil ich mich lange und ungestört ganz, ganz stark konzentriere auf eine Zeit, die ja nun auch schon mehr als 35 Jahre her ist und jedes Jahr noch weiter weg zieht) die alten, fast vergessenen und eigentlich verschütteten Erinnerungsfetzen, alte Geschichten und besagte Begebenheiten ein. (Ich liebe diese endlosen Sätze, meine Lehrer nie). Vordergründig tauchen da vor meinem inneren Screen Personen auf, die in irgendeiner Art und Weise seinerzeit mit bei der Party waren und/oder an denen eine dieser  Geschichten hängt - zumindest eng mit ihnen verknüpft sind. Ich grübele über Namen nach (die konnte ich mir aber noch nie merken) und kann erst recht nicht einschlafen - finde ihn nicht und grüble weiter und er fällt mir verdammt noch mal trotzdem nicht ein -  aber zumindest die Person selber nimmt langsam Gestalt an: das Gespenst  bekommt ein Gesicht – meist im Morgengrauen, wenn die Vögel draußen zu Brüllen anfangen.

m da jetzt ja nix mehr zu vergessen, mach ich mir - egal, wo ich gerade bin - ständig stichwortartige Notizen auf Zetteln, die dann überall in der Wohnung herum fliegen – im Bett, am Bett, unterm Bett, am Klo, auf dem Fernseher, an der Bar, in der Werkstatt, auf der Fensterbank, im Garten, in der Butterbrotdose, im Portemonnaie,  im Katzenklo... Einmal in der Woche veranstalte ich eine große Zettelsammlung und hefte diese Schnipsel penibel ordentlich an meine Pinnwand - das sieht aus wie ein Bon-Piexer in einer gutgehenden Kneipe. Einmal im Monat/Jahr/... versuche ich die mittels dieser Aktionen gesammelten Informationen (ist fast ein Kurzgedicht) in Prosa-Form zu bringen. Dabei ernenne ich zunächst ich in einer Nacht- und Nebelaktion alle vorkommenden Personen - auch gegen evtl. Widersprüche - zu Mitwirkenden in diesem Buch: Sie werden alphabetisch in die Darstellerliste eingefügt. Tauchen diese Gestalten/ Personen / Tiere / Sachen irgendwann in einer bearbeiteten, ausgefeilten, mittels meines  2-Finger-Eingabesystems aufgeschriebenen und letztendlich – falls der Speicherplatz auf dem Server reicht - im Internet veröffentlichten Geschichte tatsächlich auf, werden sie automatisch zu Hauptdarstellern. Das ist klasse, das ist toll, das ist einfach genial, und ich bin ganz alleine drauf gekommen – das könnte aus einem Handbuch für Web-Autoren stammen (Vielleicht mein übernächstes Projekt!?).

ch stelle aufgeschreckt, erschüttert und niedergeschmettert beim Schreiben fest oder wenn ich mit Freunden oder Lesern über dieses Machwerk spreche, was noch alles fehlt – dabei ist es jetzt schon mehr als zu viel für einen alleine. Wo wird es hinführen, wo soll das enden? Ich brauch dringendst 2-4 Ghostwriter..., und Freunde schicken mir Videos von W&W-Auftritten zu - und das alles will be- und verarbeitet werden - ich muss mind. 100 Jahre alt werden und gesund bleiben (Das ist quasi ein Befehl nach oben).   

Schon mehrfach wurde die Frage gestellt: wann gibt es das Buch in gebundener Form im Handel zu kaufen? Hier die offizielle Antwort: frühestens, wenn es fertig ist. Und da sehe ich schwarz...Dazu stellt sich für mich die Frage: wie viele Menschen in diesem unseren Land (denn wenn, kommt es zunächst natürlich deutschsprachig auf den Buchmarkt!) interessiert dieses Thema und mein Geschreibsel dazu? Und welcher Verlag ist wahnsinnig genug, das zu drucken (es sei denn, ich besteche ihn)...und hinterher sitze ich auf der Erstauflage fest und muss alle Bücher selber lesen. Nein, da bleibt Euch nur eins: lasst Eure Drucker Nachtschicht machen.

Zudem wäre ich mit dem Buch auch schon viel weiter gekommen - ja vielleicht, nein wahrscheinlich wäre ich schon längst fertig, wenn da nicht plötzlich und unerwartet diese ollen alten s/w Filmschnipsel aus dem Nirwana aufgetaucht wären, aus denen ich von April 2004 bis Februar 2005 eine anderthalbstündige W&W-DVD zusammengebastelt habe. Auf dieser DVD mit dem Titel "...als wäre es gestern erst gewesen...", sind nun zumindest einige Kapitel dieses Buches audiovisuell untermauert und mit bewegten/bewegenden Bildern belegt (nachzulesen im TEHOMA-Kapitel Die Geschichte der Teebeutelhochheb-Maschine etc.).

WARNUNG:  dem wohlwollend geneigten Leser und den (die Herren der Schöpfung werden es mir bei gleicher Neigung nachsehen) von mir noch mehr geschätzten und verehrten Leserinnen sei an dieser Stelle klar und unmissverständlich kundgetan, dass die bisher veröffentlichten Kapitel – die natürlich laufend ergänzt werden – schon jetzt einiges an Lesezeit erfordern – das geht nicht mal so eben Hoppla-hopp. Wie gesagt: Drucken Sie die Seiten aus und lesen Sie auf dem Klo, unter der Dusche, beim GV (=Getränkeverzehr, um hier Missverständnisse auszuschließen und evtl. Haftpflichtansprüchen vorzubeugen) Kapitel für Kapitel, veranstalten Sie Lesungen und Diskussionsrunden mit Gleichgesinnten – kämpfen Sie sich durch, damit Sie dereinst sagen können: ich war dabei, als es entstand. Waren Sie dann dabei und wissen irgendwas besser als ich es weiß: melden Sie sich bitte bei mir (aber Honorare gibt´s nicht - einem alten gebeutelten und ausgebeuteten Musiker kann man nicht in die Tasche packen.

P.S. 1 Hinweis: Wenn im Buch eigenartige Wortschöpfungen oder Buchstaben- kolonnen auftauchen, dann ist eine unserer Katzen über die Tastatur gedonnert.

 P.S. 2 Drohung: was ich später mal in über die W&W-Zeit hinausgehenden Kapiteln ein- und ausarbeiten will/muss/:
 • meine Kunstgewerbezeit in und mit dem "DABBELJU"
• Die Aufnahmeprüfung an der Folkwangschule (zusammen mit Thomas Frenser) 
• meine leidvollen Erfahrungen mit guten Anrufbeantworter-Texten (Stichwort: Telefonterror)
• Die „Geiergeschichte“: Das Kennenlernen mit Doc Remy (oben schon erwähnt inkl. Castro und den zwei Kanarienvögeln). Die habe ich aufgeschrieben, und Doc Remy war so ergriffen von meiner Version, das er gleich auch seine Geschichte in die Tasten gehauen hat: und so stehen nun diese beiden unseren Versionen  nebeneinander und sich gegenüber : ziemlich einmalig in der deutschen Literatur.eine (fast) unglaubliche Geschichte

Essen-Schönebeck im Juni 2001 , letztmalig geändert 29.11.09

Profline.gif (2795 Byte)

 

Zum vorigen Kapitel

Zur Gesamt-Übersicht

Zum nächsten Kapitel