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Es begab sich aber vor nicht langer Zeit
dass sich eine merkwürdige Geschichte tat:

Ein Mann kommt zu Besuch und sagt
setzt Euch her und hört mir zu

Er stopft seine Pfeife, nimmt einen tiefen Zug
und dann hebt er an - und erzählt...

Witthüser & Westrupp - Das "Intro" (Liturgie) zur Jesus-Oper


ier muss ich erst mal wieder weit, weit ausholen (das ist die von mir kreierte Winnetou-Methode: großen Bogen schlagen und von hinten ranschleichen, um dann in richtigen Moment...) und beginne diesmal bei A = Sergius Golowien, unserem Schweizer Guru. Bei langen intensiven gemeinsamen Nachtsitzungen mit ihm „bei Kerzenschein und Kräuterwein“ beginnt ein Gedankenaustausch, zunächst ausgehend von eigenen Erfahrungen mit hintergründigen, doppel- und/oder mehrdeutigen Geschichten, bei Paracelsus, Gelpke, indischen Märchen und wir landen schließlich bei den Horror-Geschichten der Gebrüder Grimm (das hatten vor uns ja auch schon die Adams aus der gleichnamigen Familiensaga festgestellt - die Kinder durften wegen dieser schrecklichen Geschichten von Hexen, wilden Tieren usw. die Schule nicht mehr besuchen).
„Warum“ fragt uns Sergius „gibt es dort ein Rotkäppchen, wo doch jeder weiß, dass damit der Fliegenpilz gemeint ist?“ „Warum“ fragt er „zieht es Hänsel und Gretel zur „Hexe“?“ Wir pflückten die Märchen auseinander. „Warum“ fragte er „erscheinen zu Weihnachten die Engel in den Häusern?“. Weil der gemeinhin als Tannenbaum bezeichnete Nadelbaum, wenn er denn eine Eibe war, entsprechende Ausdünstungen hat, welche dem Einatmer die Engel erscheinen lässt. Und das muss auch nicht unbedingt Weihnachten sein, das kann sogar mitten im Sommer beim Rasenmähen passieren, wenn genug Eiben rumstehen. „Warum“ fragte er weiter „hatte Schiller immer einen Stechapfel in seiner Schreibtisch-Schublade gehabt?“ Einfach weil ihm mit diesem Hilfsmittel viel Gutes einfiel, wie man weiss. Ach ja: „Was für einen Apfel hatten Adam und Eva damals im Paradies?“ „Was für Pfeifen werden angezündet, wenn ein Märchen erzählt wurde?“ „Was rauchen denn eigentlich die Indianer?“ Und so ging das immer weiter und weiter, und Sergius hatte immer noch einen drauf zu setzen. Wir redeten nächtelang, ohne irgendwelche Gedanken bei uns selbst, solche Dinge in unserer eigenen Musik zu verarbeiten. (Oder plante da jemand im Hintergrund etwas von langer Hand).

Zufällig (?) fällt uns damals irgendwie auch ein Buch aus Engeland in die Hände: Allegros Buch „Der Geheimkult des heiligen Pilzes“, der anhand von neuen Funden in Mesopotamien und eigenen intensiven Forschungsarbeiten zu dem Schluss kommt, dass die Geschichten der Bibel auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden können als aus der uns von der Kirche vermittelten Sicht. All diese Geschichten und das angelesene Wissen sind unbewusst bei uns schon sehr stark verinnerlicht und warten nur auf den Kick, den Klick, den Funken, die zündende Idee, den Anstoß. 

Der Meister - Bernd Witthueser himselfer trifft uns, als die aus Amerika herüberschwappende Welle der Jesus-People-Bewegung auch Deutschland erfasst: da ist uns (mal wieder) plötzlich ganz klar, wie wir dieses unser Wissen einsetzen konnten, ja müssen: eine zeitgemäße, ballastfreie, erfrischende freakverständliche ehrliche und offene musikalische und textliche Neuschöpfung des größten Bestsellers der Welt zu schreiben. Wir besprechen das mit Guru Sergius und mit RUK und rennen (komischerweise) offene Türen ein: genau das braucht die Welt jetzt. Einmal in Fahrt, setzen wir noch einen drauf mit der wahnwitzigen Idee, dieses Werk als richtige Oper herauszubringen – mit ausgesuchten Musiker als Begleitband, mit Engel-Backroundchor – alle im Nachthemd - Bernhard (allein wegen seines unauffälligen Äußeren) als Jesus und ich als ungläubiger Thomas und Sergius als Gottvater in himmlischer Kulisse....das wird aber – angeblich aus Kostengründen – ohne weitere Diskussion abgewürgt.

Schmollend ziehen wir uns zurück in die Einsamkeit der Musikakademie Remscheid. Das tun wir aber nicht ganz freiwillig, sondern auf "Weisung" von fast ganz oben (sprich R.U.K.), der genau weiß, dass wir faule Säcke sind und uns in unserer gewohnten Umgebung in Essen nur zu gerne ablenken lassen. Die Musik macht uns keinerlei Probleme - dafür spielen wir zu oft zusammen - es sind die Texte, die uns nicht so leicht aus dem Füller laufen wollen. In Remscheid ist der Hund begraben, wir haben fast die gesamte Akademie zu unserer Verfügung - vor allem den Musikraum mit dem gesamten Orrfschen Instrumentarium und den großen Saal mit der riesigen Fensterfront zum Wald hin.
In unseren Klosterzellen können wir ansonsten gar nichts anderes machen als Texte schreiben - das wollen wir auch so schnell wie möglich hinter uns bringen. Etwas Abwechselung haben wir dennoch: zum Glück ist zur gleichen Zeit auch Peter Burschs Bröselmaschine aus Duisburg zugegen - auch von Kaiser zur Arbeit vergattert. Sie bringen mit ihrer Sängerin Jenny etwas Licht in das Dunkel unserer Tage - und Gitarrist Willi Kissmer einen belebenden hardockigen Klang in diese heiligen Hallen! 

Hier schreiben wir nun unsere „Klein“-Version des Jesus-Pilzes: von der Schöpfungsgeschichte „Am Anfang war nichts als Brösel“ über die Verteilung und Verbreitung der „verschlüsselten Botschaft in Bröselform“ bis hin zur spanischen Variante einer „erfolgreichen“ Apokalypse „Und siehe da: "der Brösel hat gewirkt“. Wir finden den von uns geschlagenen Themen-Bogen vollkommen rund, auch musikalisch finden wir einen dem Thema angemessenen folkloristischen volksnahen Sound - und das Ergebnis somit fantastisch und gut, die Plattenfirma findet es gar bombastisch, Sergius sieht die Botschaft gut verpackt und genießbar ("viele haben gesehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen - und viele haben gewünscht zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört"...)  – nur in den Clubs, in denen wir auftreten und einige Stücke aus diesem neuen Opus antesten, kommt die Botschaft nicht so richtig rüber. Vampire, Tote, Nonnen, Trips & Träume: O.K. – aber von Saulussen zu Paulussen ?  

m August geht es ab ins Studio nach Stommeln, wo die Aufnahmen zum Jesuspilz anlaufen. Das Dierks-Studio ist weiter ausgebaut worden, die Technik gigantisch und der Spaß bei der Arbeit noch größer. Was Dieter Dierks bei den Aufnahmen an Ideen mit reinbringt (Außenaufnahmen mit Life-Atmo von Treckern, quietschender Schaukel, Düsenjäger etc.) und was er am Mischpult vollbringt, ist einfach der Wahnsinn. Wenn wir sagen: lass doch die Flöte von hinten reinkommen, dann kam die Flöte von hinten rein. Mach den Chor breiter, dann wird der Chor breiter. Wir sind alle auf dem gleichen Level und die Ideen werden ausprobiert und befruchten die gesamte Zusammenarbeit: ein Team im Zeichen des Pilzes. Hier wird ein Klang geschaffen, weit und breit, bei dem es mir auch heute noch den Rücken rauf- und runter läuft, wenn ich unsere Musik höre.

Bei dem spanischen Finale auf der LP hat er aus den 3 eingesetzten Instrumenten (Gitarre, Flöte und Kastagnetten) - die wir übrigens nacheinander eingespielt haben (zuerst nur die Gitarre mit Text, dann die Kastagnetten und zuletzt - obendrauf - die Flöte), eine gigantische Musik gezaubert. Wenn ich es mir jetzt im Nachhinein anhöre, dann erscheint eine solche Arbeitsweise bei so einem "Werk" eigentlich unmöglich - aber es ist ein hervorragendes Beispiel dafür, welches gemeinsames Gefühl für unsere Musik wir Beide hatten. Wir haben Dieter Dierks oft Danke gesagt, ich möchte es an dieser Stelle noch einmal wiederholen. Kaisers Kaffe war mit Sicherheit auch ein Garant dafür, dass Spannung und Konzentration bei der Arbeit nie nachließen.
Im Vorfeld dieser Produktion hatten wir - wie schon erwähnt - den unserer Meinung nach wunderbaren Vorschlag mit dem Engelchor gehabt (auch im Hinblick auf eine evtl. Tournee und den damit verbundenen gemeinsamen Stunden mit 10-12 netten Sängerinnen) , und diese Idee wird vom Produzenten wieder aufgegriffen – aber er plädiert (wahrscheinlich wg. der Schwierigkeit, echte Engel zu besorgen oder um uns einfach nur diesen Spaß zu versauen) für den Einsatz eines Kinderchores für die Aufnahmen.Pobenarbeiten mit Chorleiter Walter W. Per Zeitungsaufruf melden sich spontan 60 Kinder zum Vorsingen, und wir wählen aus den diversen Heintje-, Mirelle- oder Vicki Leandros-Doubles (wo die Muttis im Nerzmantel vom Gesangsunterricht der Tochter erzählen und wie gut ihre Kinder sind- aber eben so nervös) die echten unverbrauchten originalen „Kölschen Jungs & Mädels“ (Ich bin der Kölsche Hennes...) aus. Mit diesem Chor nehmen wir nach intensiven Proben (wir kürzen den Text nach anfänglichen Schwierigkeiten auf ein erlern- und leicht singbares „Lalala“) neben dem LP-Titel „Die Erleuchtung“ auch gleich eine Single und – Novum in der W&W-Geschichte - eine englische Version mit dem Titel „Magical Land“ auf. Dieter Dierks hat für diese Aufnahmen (für den POP-Sound)  einen "Studio-Schlagzeuger" besorgt, der das Timing wohl nicht erfunden hat und Übergangswirbel zaubert, die ihresgleichen in der Pop-Branche wohl erfolglos zu suchen sind. Den internationalen Markt haben wir damit nicht erobert (ist mir zumindest nicht bekannt geworden), aber auf der B-Seite dieser Single, die wir als "The Magic Group" aufgenommen haben, ist unsere Reminiszenz an unsere 1. musikalischen Schritte zu finden: ein skiffeliges Werk mit Waschbrett und Kazzoo, Posaune und Knopfklavier und dem vielsagenden Titel: Crazy Inspiration. Weil diese Komposition so anders ist als alle anderen W+W-Titel, ist sie hier als  Soundfile eingebaut und wartet rechts auf Abhörung
 

Damit sind die Aufnahmen fertig und unwiderruflich im Kasten, es wird abgemischt und die Produktion läuft an.

W&W vor der Apostelkirche in Essen, dem Ort der Welturaufführung ihrer Jesus-Pilz-Operetzt müssen – auf Grund unseren Konzert-Erfahrungen mit dieser Pilz-Geschichte - unbedingt und schnell neue/andere Auftrittsorte her. Frage: „Wo kann man ein himmlisches Thema am besten vortragen?“. Großes Schweigen erfüllt den Raum. Dann eine Stimme (leise, fragend, fast ängstlich): vielleicht in einer Kirche. WAAAUUU: Das ist wieder mal DIE Idee mit Donnerhall, und RUK lässt in Zeitungen und Magazinen flugs diesen unseren Wunsch verkünden, die Kirchen zu füllen mit einer Botschaft, die auch von Jugendlichen akzeptiert und verstanden wird: Eure Kirche wird voll mit Menschenkindern, die eigentlich mit der Kirche nichts am Hut haben. Und siehe da, wir glauben es kaum, kommen die ersten Anfragen und mehr und mehr: wir planen eine große Kirchentour durch ganz Deutschland. Doch wir wollen mit einem Paukenschlag starten und fragen in der Kirche nach, wo wir beide konfirmiert worden sind: in der Apostelkirche  in Essen. Das Presbyterium tagt und nach Kampfabstimmung kommt weißer Rauch aus dem Kamin, es kommt das JA: hier also wird die himmlische Welt-Uraufführung stattfinden.

 

20 Fernsehteams, eine Unmenge von Radio- und Zeitungsleuten belagern die ersten Bank-Reihen der restlos überfüllten Kathedrale. In Zeitungen wird von bis zu 1000 Gläubigen (?!) gesprochen - dabei fasst die Kirche max. 400 - da hatte wohl der Brösel bei manchen schon gewirkt.. Es wird ein tolles Konzert (Bernhard singt verdammt belegt und ich habe bis zum Schluss einen Tremolo in Stimme und Händen, wie sonst nie wieder erlebt), aber alles geht gut und wir haben Standing Ovations mit Pfiffen und Buh-Rufen (aber viel weniger, als wir zu hoffen gewagt haben). Die „echten“ Jesus-People sind schon vor Ende unserer Verkündung von Dannen gezogen, was aber niemanden im weiten Rund weiter tangiert - und so verpassen sie das wunderbare Nachspiel:

 

ach dem Schlussakkord entwickelt sich eine offene Diskussion in der Kirche:

Frage: „Warum in der Kirche?“
Antwort: „weil die sowieso leer stehen und so eine tolle Akustik haben.“
Frage: „Warum eine Jesusoper?“
Antwort: „wir hätten auch eine Rotkäppchen-Oper machen können, ist auch ´ne dufte Geschichte – aber wer will die schon hören“.
Frage: „Was ist die Botschaft?"
Antwort: „es ging uns darum, Werte, die seit 2000 Jahren bestehen, neu zu formulieren und jedermann zugänglich zu machen."
Frage: „Sind eure Texte deshalb so naiv?"
Antwort: „naiv heißt einfach, also für jedermann verständlich." 
Frage: „Der Brösel, von dem hier die Rede ist in flüssiger und fester Form: das soll doch wohl Haschisch heißen?“
Antwort: „wir meinen damit den Urstoff, die Befreiung des Geistes, die Essenz des Lebens, und wenn das für Sie Haschisch sein sollte, dann eben auch Haschisch: der Brösel ist für jeden das, was er hineininterpretiert“.
Frage: Ihr macht Euch doch nur lustig über die Kirche!"
Antwort: darf denn Religion keinen Spaß machen???!
Frage:: Wer ist „Man“? Der Name GOTT oder JESUS wird in eurem Opus nie erwähnt?"
Antwort:: Man", das sind unserer Meinung nach 4 Götter gewesen, eine lustige Göttergemeinschaft..."
Frage:: Wieso heißt die Oper „Jesuspilz“?"
Antwort:: Jesus bringt Glück, Pilze sind Glückssymbole!"
Frage:: Steht Jesus für Hasch?"
Antwort:: da ist ein gewaltiger Unterschied: Haschisch muss man kaufen, Jesus hat man in sich."
Frage: Ihr findet das Evangelium „Dufte“ – ist das nicht sehr oberflächlich?"
Antwort: Jesus war bestimmt genau so ein dufter Typ wie wir. Der hat mit seiner Gruppe bestimmt auch viel Spaß gehabt."
Behauptung:
Man hat den Eindruck, die Oper handelt von euch und euren Schwierigkeiten! ?"
Antwort: keine!

Vor Erscheinen der Platte spielen wir Ausschnitte des Jesuspilz-Programms bei einer Life-Veranstaltung in Böblingen, die vom SWF3 aufgenommen werden. Nach der Ausstrahlung ist die Resonanz so groß, dass 2 dieser Stücke die SWF3-Hitparade über Wochen anführen. Als dann die LP herauskommt, sind wir mit weiteren Titeln drin – und damit werden wir Stammgast bei SWF 3-Sendungen, sowohl im Radio als auch beim Fernsehen.
Aus einer Live-Veranstaltung stammt das Lied "Das Vermächtnis des Meisters", das es nicht auf die Jesus-Pilz LP geschafft hat. Damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät, habe ich es trotz der bescheidenen Qualität hier eingebaut...

 

ir tauchen in unzähligen Fernseh- und Radiosendungen auf, haben Riesenartikel in den Zeitungen: nicht nur Positives: • verblueste Choralklänge im Country-Stil • Rock´n Roll im Softlook • schön anzuhören • Spaßvögel der Pop-Szene haben die Bibel entdeckt • Die fröhliche Oper vom Glückspilz Jesus • freche Texte für fröhliche Götter • Religion macht Spaß
• die Jesus-Rakete • Die Weltschöpfung als Pop-Effekt ), sondern natürlich auch Verrisse: • hier wird eine Botschaft missbraucht • mit Evangeliumsmusik ins Weihnachtsgeschäft • ist das eine neue Biermarke? • wieder eine neue Masche von W&W • ihr schwimmt doch nur auf der Jesus-Welle mit • Bernd Superstar, der Jesus Troubadour [Begriff von Jürgen Hainke, unserem Fan aus der NRZ-Lokalredaktion] • der Jesuspilz schmeckte fade • Nichts als Brösel (?!) . Aber unser Produzent sagt immer: Jungs, nehmt euch das ja nicht zu Herzen: Hautsache, die schreiben überhaupt über euch. Und die schreiben, und der Kirchen werden immer mehr, durch die wir jetzt unsere Tournee starten und für Furore und Aufregung sorgen: Wir provozieren tolle Demonstrationen von Kirchenmitgliedern vor den Kirchen, in denen wir spielen wollen/sollen. Gemeindeglieder beten während unserer Konzerte vor dem Altar, um zu dokumentieren, dass Ihnen die Kirche gehört und nicht den zwei "Pilz-Gammlern“. Zwei Kapläne verlassen unser Konzert in Mensum und sprechen von „Pilzvergiftung“(?). Kritik an der Veranstaltung (nicht wieder in unserer Kirche, sonst...), Proteste, Gegendarstellungen und Widerrufe werden in Leserbriefen öffentlich über die örtlichen Zeitungen ausgetragen und abgedruckt. Kirchenaustritte werden angekündigt für den Fall unseres Auftrittes - und auch vollzogen: wir bringen mit unserer Oper so manche Gemeinde in Schwingungen – so oder/und so. Denn auch die Kirchen selbst wackeln: die sind nicht nur voll – die platzen teilweise aus allen Nähten. Schon Stunden vor Einlass sitzen Dutzende von Freaks vor den Kirchenportalen, bewaffnet mit Schlafsack, Joints und Rotwein und warten auf Einlass. Und die Pfarrer sind happy: endlich mal wieder die Bude voll – „Ja ist denn schon Weihnachten?“. Ökumenisch sind wir auch: wir spielen sowohl als auch. Und die Pfarrer sind teilweise auch nicht ohne: laden uns ins Pfarrhaus ein zum Essen (nur vom Feinsten), haben ein wirklich gutes Tröpfchen für uns (keinen Messwein), zeigen uns Bilder von Altären, wo Jesus & CO inmitten von „Gräsern“ herumturnen, bei deren Anblick jeder „Kräuter“ - Kundler vor Freude aufjuchzt, finden diesen unseren neuen Weg der Verkündung großartig, weil man auf diese Weise die Jugend an die Botschaft bringt...

Und auch Fans machen sich Gedanken über die Botschaft, beispielsweise:
Frage: "Hör mal, auf wie vielen Ebenen läuft denn eigentlich diese ganze Geschichte ab?"
Antwort: "Auf sieben...!"
Frage: "So viele? Ich habe erst 5 entdeckt."
Antwort: "Dann sie froh: wenn Du die 7 Ebene erreicht hast, dann ist´s vorbei mit Dir..."
Frage: Ja aber ihr habt diese 7. Ebene doch schon erreicht und ihr seid noch da!"
Antwort: "Wir haben eine Sondergenehmigung - von ganz oben!"
Keine weitere Fragen...

ast 100 Auftritte in Kirchen bewältigen wir in einem Jahr und sind damit ein Begriff und eine feste Größe im Show-Bizz – nicht ohne Konsequenzen für unser Leben. Wir beschließen -  wg. des ganzen Rummels um unsere Personen - von Essen wegzuziehen und in die Einsamkeit des Hunsrücks nach Dill in ein abgelegenes Bauernhaus zu entfliehen. Wir packen unsere 7 Sachen und verlassen unsere Familien und Freunde, unsere Kneipen, die Viehofer Str., das Ruhrgebiet, NRW - eben alles, was uns bisher lieb und teuer war, und wandern aus...

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• Rheinische Post-Kritik von der Uraufführung

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© 2002 by Walter Westrupp - letzte Aktualisierung 29.03.2018