68er nach Noten - Witthüser und Westrupp - Dill und das Landleben im Hunsrück:

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Auf einem Bauernhof im Hunsrück...

Wenn die Jahreszeiten ihre Gesichter offenbaren
und über unserem Tal der Adler kreist
wenn am Himmel seltene Lichter scheinen
und die blaue Blume reift:
dann ist es Zeit, der Unrast Mantel umzuhängen
und auf den Pfaden der Vergangenheit
den Weg nach Westen einzuschlagen

Wir gehen Wege, die schon fast vergessen
kaum von Wesen dieser Welt berührt
dorthin, wo das Licht den Schatten
in seiner tiefer Klarheit trifft.
Wo wir Gefährten treffen aus den alten Tagen
mit ihnen reden über die vergangene Zeit
um uns an dem Erlebten zu berauschen

Wir erkennen, dass nicht Zahlen und Figuren
sind die Schlüssel aller Kreaturen:
dass alle, die gern singen oder küssen
mehr als die Tiefgelehrten wissen.
Dass man in Märchen und den Gedichten
erkennt die alten Weltgeschichten:
drum lasst uns diesen Tag besingen

Witthüser & Westrupp - "Jahreszeiten" von der W&W-LP "Bauer Plath"

LEBEN AUF DEM BAUERNHOFMOTORRÄDERBESUCHER • 
DAS W&W-KREUZWORTRÄTSELJERRY BERKERS

UMZUG AUFS LAND Ortseingang zu "unserem" Dorf

ir haben über eine Bauern-Fachzeitschrift ein Haus gesucht und sind  tatsächlich überraschend schnell fündig geworden in Dill, einer 260-Seelen Gemeinde im Hunsrück.
Dill ist ein alter Ort (Ersterwähnung ca. 1100) und liegt im Tal des Dillerbaches, unterhalb einer alten Burgruine, malerisch gelegen zwischen Felder, Wäldern, Hügeln und Tälern - und das ist genau das, was wir uns so vorgestellt  haben. 

So ziehen wir 1971 mit Sack und Pack und unserem gesamten Instrumentarium in das leer stehende alte Bauernhaus des Bauern Plath ein und können uns nach langer Zeit endlich wieder auf uns selbst besinnen, abschalten und versuchen, zur Ruhe zu kommen.


Walter vor dem Bauerhaus in Dill, verdeckt durch den MisthaufenDies ist nun unser Zuhause: alt, klein, schnuckelig am Ortsrand gelegen: dahinter nur noch Felder und Wälder und Wiesen.

Unten rechtes Fenster: Walters Zimmer, nach hinten heraus große Wohnküche 
und Badezimmer.

Oben rechts: Musikzimmer, nach hinten Bernhards Privat-Separee.

Links davor (verdeckt durch Walter und den anderen Mist) die Außentoilette

Wir rechnen nicht damit, dass zwei obskure Musiker aus der Großstadt in einer kleinen Gemeinde auf dem Land direkt willkommen sind: aber in unserem Fall klappt das auf Anhieb: wir sind ja nun auch ausnehmend freundliche und sehr nette Zeitgenossen - und das hat unser Vermieter schon bei den Vorgesprächen gemerkt...

Die große stressige Kirchentour durch unzählige deutsche Gotteshäuser ist vorbei, wir haben uns in unserem Fachwerkhaus eingerichtet, die Bäuerin hat uns einiges von dem Möbelfundus abgetreten, den sie auf dem Dach des Hauses eingerichtet hat und auf den die durchziehenden Antiquitätenhändler aus Belgien und Holland immer gerne einen Blick werfen dürfen, aber nicht zum Zug kommen. Denn auch wenn die Menschen hier weitab vom Schuss leben -  die Preise sind bekannt, und so eine echte Hunsrückbäuerin ist nicht auf den Kopf gefallen. 

Ruhe tritt in unser Leben am Wegesrand, es wird ruhig, wirklich ruhig, es wird verdammt ruhig. Es ist so viel Ruhe da, dass wir unruhig werden ob dieser Ruhe. Wir können mit Ruhe gar nicht mehr umgehen, das müssen wir erst einmal wieder lernen. Immer haben wir das Gefühl, etwas vergessen zu haben oder noch etwas erledigen zu müssen. Wir erfahren, dass wir hier nicht die Ersten sind, die Ruhe in dieser Abgeschiedenheit suchen: auch andere Künstler sind schon auf diese Idee gekommen: z.B. Charles Wilp, Artonaut aus Düsseldorf, hat hier ganz in der Nähe eine Mühle gekauft und zieht sich dorthin zurück, wenn´s ihm in der Stadt zu mächtig wird. Musikgruppen ziehen in brachliegende Bahnhöfe oder mieten leer stehende Restaurants in umliegenden Orten: niedrige Mieten, wenige Nachbarn - ideal zum Runterkommen.

Walters Zimmer in Dill - Raum zum relaxen  
Abhängen mit Besuch beim Musikgeniessen in Walters Privatgemach

ach einigen Wochen merken wir, wie der Stress von uns abfällt - wie dieses Gefühl verschwindet, noch dieses oder/und jenes unbedingt erledigen zu müssen oder irgendwo vor Ort zu sein, weil sonst etwas verpasst werden könnte. Hier ist aber nix zu verpassen -  wir fallen in ein endlos tiefes, absolut schwarzes Loch. Am Ende dieses Loches sitzen wir nun und sagen: wir müssen was tun, mal wieder unter Leute kommen: wo ist die Kneipe im Ort? Es gibt keine! Es gibt demzufolge auch keine Disco, es gibt kein Kino, keine Pommesbude, keine Bude anne Ecke - nur Bauerhöfe und Misthaufen... Dann nach Jahren der Einsamkeit: ein Gerücht - ein Hinweis - ein himmlischer Fingerzeig?: im Nachbarort Niedersohren soll eine Kneipe sein. Hey Mann, also auf und los, 20 Minuten Fußweg (vorbei an der Ranch von Müllers Mühle) - dann ein Fußballplatz - eine kleine Ansammlung von Häusern - eine Bier-Reklame. Keine Fa(n)ta Morgana, sondern scheinbar - oder tatsächlich - eine Kneipe, ein Bistro, eine Wirtschaft, ein Pub, ein Restaurant, ein wahnsinniges Etablissement - eine OASE: und sogar mit Leuten drin – Stimmengemurmel dringt aus dem Fenster. Wir öffnen vorsichtig die Türe und treten leise ein (aber wohl dennoch zu laut): Totenstille, als wären wir die leibhaftigen Abgesandten des Gehörnten. 
Augen zu und durch und ab zur Theke: 2 Bier – 2 Bier? Watt sprecht ihr so komisch - ah ihr seid nicht von hier? Auf der Durchreise? Nein, ihr wohnt hier? In Dill? (Das ist echt ein Verhör - bin ich hier inner Kneipe oder auf einer Polizeiwache...) Und vorher? Essen? ah ja Essen! ESSSSENNNNN!  Willi – komma schnell, hier sind welche von Essen. NEINNN, nix Essen, die Leute hier sind aus ESSSEEENNN. Klar, was war: die Wirtsleute kamen aus Dortmund – nee, das war jetzt ´n Witz, natürlich auch aus Essen, und wir Exoten haben auf Anhieb Blutsbrüder gefunden und sind plötzlich mitten drin und voll dabei, und den anderen Gästen ist´s genehm und das Gemurmel setzt wieder ein. Frei Trinken ist in dieser Nacht Ouzo - is doch klar...
...und der Heimweg ist dunkel und weit.

LEBEN AUF DEM BAUERNHOFMOTORRÄDERBESUCHER
DAS W&W-KREUZWORTRÄTSELJERRY BERKERS

DAS LEBEN AUF DEM BAUERNHOF

hne Auto sind wir aufgeschmissen - abgeschnitten von der Außenwelt. Konzerte sind z. Zt. auch so gut wie keine geplant: wir fühlen uns vergessen von Gott und der Welt. Zu den wenigen Gigs, die wir augenblicklich wahrnehmen, fahren wir mit einem Leihwagen – aber das Geld reicht grade mal für den Sprit und den Wagen und den „Schwarzen Krausen“. Unsere Knete ist aufgezehrt – Rücklagen haben wir nie gebildet. Werner (Bauer Plath) stundet uns die Miete (irgendwann geht´s wieder aufwärts, Jungs), mittags wird uns eine warme Mahlzeit von Werners Schwester Gerda nach oben gebracht, Abendbrot (aber hallo vom Feinsten) gibt´s unten im Neubau, wo der Bauer mit Frau, Tochter und Schwester wohnt. Wir helfen auf dem Hof, wir packen an, wenn´s was zu tun gibt, wir fahren mit dem Trecker raus und sind beim Schlachten mittendrin, da die Vieh-Ställe neben unserem Haus liegen und unser alter guter Kohle-Ofen in der Küche zum Wursten benutzt wird – und diese Würste sind unübertroffen gut: frischeste hausgemachte Leber- und Blutwurst – nie wieder habe ich so leckere Wurst gegessen – so etwas gibt´s nicht mal in den Feinkostläden der Stadt zu kaufen.

 

Sowieso - der Eigenbedarf eines Bauern wird aus einer anderen Ernte gedeckt als all das, was er nach draußen verkauft. B.P. baut für sich ökologisch an, da gibt es die Grünen noch gar nicht. Aber das tut er eben nur für sich selbst - und uns... 

Wie gesagt, wir packen mit an und sind mitten beim Schlachten von Gunda der Sau, da kreuzt ein Fernsehteam des SWF für eine Reportage auf. Vor unserem Haus hängt das frisch geschlachtete aufgeklappte Schwein an der Leiter und die Wanne mit Blut steht daneben, wir haben noch das Blut an den Händen und singen aus voller Brust und mit tiefer Überzeugung vor dieser Kulisse das passende tiefschürfende Lied: Wer das Scheiden hat erfunden, hat an Liebe nie gedacht: sonst hätt´ er die schönsten Stunden in der Liebe zugebracht. Die Sau nickt. 

Wenn Du´s sehen willst: hier bitte:

 

a wir zu jener Zeit quasi frauenlos im Haus wohnen (unsere Kommunardin Antje aus Essener Tagen, die mit uns nach Dill zog, warf nach kurzer Zeit aus lauter Langeweile die Heugabel), kümmert sich nun Bäuerin Lilly um unser Wohlergehen - und wenn wir auf Tour sind, räumt sie im Haus auf und wischt durch. Als sie dieser Tätigkeit nachgeht, hört sie Stimmen, die zu einer Polizeitstreife gehören, welche unsere alte schwerhörige Nachbarin aus dem schräg gegenüber liegenden Haus nach "den beiden Musikern" fragt. Bei Lilly schrillen sofort sämtliche Alarmglocken, sie wittert mindestens eine Hausdurchsuchung, schaltet schnell, packt sich alle benutzen Aschenbecher und wirft sie aus dem Hinterfenster, um so evtl. verräterische Asche-Spuren von verdächtigen Rauchwaren zu vernichten - genial. Warum die Streife uns suchte, weiß ich nicht mehr (die wollten wahrscheinlich nur ein Autogramm von uns...). Wir haben uns hinterher nur köstlich darüber amüsiert, dass der große Brocken Haschisch mitten auf dem Küchentisch nach unserer Rückkehr unbewegt und für alle gut sichtbar noch wie vor dort liegt - der wäre bei einer Hausdurchsuchung ein gern gesehenes Fundstück gewesen - Lilly hielt ihn für einen gewöhnlichen Stein.

Die Toilette...Ich sitze und verbringe zu dieser Zeit viele schöne Stunden auf unserer "Toilette": dem Häuschen mit dem Herzchen in der Tür über der Güllegrube direkt neben dem Misthaufen. Von hier aus kann ich bei geöffneter Tür in aller Ruhe und Abgeschiedenheit die Katzenmutter beobachten, die ihren Jungen am lebenden Objekt das Mäusejagen lehrt. Oder die Spinnen, die in den Ecken dieses stillen Örtchens filigrane Schlauch-Netze gesponnen haben und bei jeder Netz-Berührung herausgeschossen kommen (wo gibt´s das in der Stadt?). Oder die Bienen, die  aus der Jauchegrube unter mir an meinem Hintern vorbei nach draußen an die frische Luft fliegen.  Nicht zu vergessen: der immergeile Hahn samt seiner Hühnerschar, die mit allemann unermüdlich den Misthaufen umpicken: echte Lebensqualität. 

m 30. April ist dann nicht der angesagte Weltuntergang, sondern wir finden uns abends auf dem Platz unter der Burgruine ein. In dieser Ruine  feiern irgendwelche Millionäre aus Mainz einmal im Jahr „Ritterfest“ – als Ritterleute verkleidet und mit vielen Burgfräuleins im Schlepp. Wir aber sind heute von der Dorfjugend eingeladen zum Maifeuer. Es gibt Bier und Schnaps (oder umgekehrt) und es wird alles möglich brennbare verfeuert – auf dass es schön moppllich (zusammengezogenes neues Wort aus mollich und moppelig) warm ist und auch die Nachbardörfler sehn, dass wir feiern. Da  - plötzlich und unerwartet - sehe ich eine alte gute Bekannte wieder, die da ins lodernde Feuer geschoben werden soll: meine über alles geliebte grüne Klo-Tür. Mit Mühe kann ich grade noch verhindern, dass dieses für uns wirklich lebenswichtig(st)e Teil, das mir mit seinem Herzchen mittlerweile so ans Herz gewachsen ist, von den Flammen verzehrt wird. Natürlich muss ich sie auslösen -  heraus kaufen mit einem Kasten Bier (das Geschäft in der Dorfmitte hat für solche Fälle einen Notdienst eingerichtet). Für eine weitere Flasche Schnaps bekomme ich auch die Sitzbank, die eigentlich bisher vor unserem Haus steht, glücklicherweise auch wieder ausgehändigt. Was wir bisher eben nicht wussten: in der Nacht zum 1. Mai gehen die Jugendlichen an den Häusern und Stallungen vorbei und sammeln alles Brennbare ein, was sich ohne Gewalt entfernen lässt (daher war auch das ganze Dorf unterwegs und schaute interessiert in die Flammen – und zu trinken gab es von daher reichlich). Denn wer nicht schnell genug auslöst, muss neu kaufen! Daher jedes Mal eine komplizierte Rechenaufgabe für jeden einzelnen Fall. Wir feiern bis in den frühen Morgen und helfen dann, den Maibaum (mind. 150 m hoch) in der Dorfmitte aufzurichten. Zum Glück sind  einige vor Ort, die noch nicht ganz so besoffen sind wie wir und die uns vorsichtig, aber bestimmend zur Seite abdrängen und dieses Wunderwerk deutscher Baumkultur tatsächlich zum Stehen kriegen...

in weiteres dörfliches Großereignis steht an. Wir erleben die 1. Bauerhochzeit unseres Lebens live mit: die Tochter unseres Vermieters heiratet. Allein die Vorbereitungen für so ein Fest dauern schon Wochen (weil das ja quasi eine Dorfangelegenheit ist), und der Polterabend – Tag 1 der Hochzeit - zieht sich von mittags bis tief in die Nacht hinein und ist nicht nur für die Brautleute (der Container ist hinterher rappelvoll und die Mülltonnen inkl. unserer auch mit den Scherben), sondern auch für uns ein recht anstrengender Tag: wir gehören ja quasi zur Familie und müssen voll mitziehen – Prosit hier und Hallo da und Ihr seid die und wir sind das und toll und nett und trallala – und immer ein Schnäpschen dazu. Abends geht es hinauf ins Gemeindehaus (da passen tatsächlich alle 260 Einwohner rein!) und ich trinke – zu dem, was ich schon den ganzen Tag rein geschüttet habe und was noch gar nicht richtig weiterverarbeitet ist - zum ersten und einzigen Male in meinem Leben Kommodenlack (Jägermeister,  ca. 1 ½ Flaschen): ich bin ja sooooo schlecht – und irgendwann und irgendwie auch weg.

DIE FAMILY vorm Haus: W&W, (Bauer) Werner Plath, Schwester, Frau, Tochter und Schwiegersohn

Am nächsten Morgen – dem eigentlichen Hochzeitstag - müssen wir morgens irgendwo hin (weiß nicht mehr warum – wahrscheinlich ein Radio-Termin) aber früh mittags sind wir wieder da. Damit haben wir zwar die Trauung verpasst, aber lernen jetzt beim Kaffeetrinken Menschen kennen, die wir bis dato nur mit Blaumann, Mütze und Stiefeln kannten: die haben sich mit Anzug, Weste, Schlips und Kragen und schwarzen Lack- und Lederschuhen verkleidet. Und auch die Bäuerinnen haben Kittel, Schürze und Kopftuch vertauscht mit ausgesucht edlen geschneiderten Stoffen – und alle rochen diesmal nicht nach Stall und Mist, sondern verdammt gut... Im Laufe des Nachmittags lockert sich diese Kleiderordnung  – vor allem bei den Herren der Schöpfung - zum Positiven (erst oberer Hemdknopf auf, dann Jacke aus, Weste aufgeknöpft, Ärmel kochgekrempelt, Schlips ab) und es wird gefeiert und gegessen und getrunken und getanzt und erzählt und gesungen, eben wie es in den alten Geschichten erzählt wird.

Der folgende Tag war dann einer der ruhigsten im Dorf, den ich je dort erlebt habe...

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MOTORRÄDER

ittlerweile sind wir wieder mobil: wir haben uns von einem Bauern im Dorf einen alten Ford gekauft, mit dem wir – wenn uns die Decke auf den Kopf fällt (also so ca. alle 2 Monate) - mal schnell nachmittags nach Essen düsen, die Nacht durchfeiern, bei Freunden schlafen und am nächsten Tag wieder zurück in die Ruhe fahren. Den Wagen haben wir mit Schultafellack gestrichen, und die Kinder des Dorfes geben ihm nach jedem Regenguss mit bunter Kreide ein neues Outfit. 

Zudem haben wir uns für den Nahverkehr geeignete Verkehrsmittel gesucht, haben die  Scheunen der ansässigen Bauern durchsucht und uns dann für zwei Mopeds  entschieden: Bernhard für eine NSU Max und ich für eine antike Zündapp 100 mit Tankschaltung. Bernhard baut gleich auf der Jungfernfahrt mit dem nicht angemeldeten und unversicherten Teil einen Unfall - aber das wird im Dorf per Handschlag bei ein bis zwei Schnäpschen geregelt... Da ich noch keinen Motorrad-Führerschein habe, fahre ich mit meiner (auch noch  nicht versicherten, aber immerhin schon angemeldeten) Maschine zur Fahrschule (2 Orte weiter) und nehme dort 1x die Woche am theoretischen Unterricht teil. Für den praktischen Teil (Fahrlehrer: ich muss ja wenigsten mal gesehen haben, Das waren noch Helme.ob Du in der Lage bist, bei voller Fahrt den Arm richtig raushalten kannst beim Abbiegen) verabreden wir uns in Simmern, Kreisstadt und Heimat des bekannten Schinderhannes. Ich fahre wohl recht gekonnt und damit zufriedenstellend hinter dem Fahrschulwagen her und werde daher zur Prüfung gemeldet. Der theoretische Teil wird in einer Kneipe abgehalten – zum Praxisteil geht´s (logischerweise) nach draußen. Als der TÜV-Mann meine Maschine sieht, ist er hin und weg: es ist das gleiche Modell wie sein aller erstes selbst bewegtes Fahrzeug (wahrscheinlich ist er mit 12 schon damit über den Bauernhof gebrettert und hat Hennen gescheucht): "kann ich mal ´ne Runde fahr´n?" Klar – weg ist er. Nach ½ Stunde kommt er wieder, glänzende Augen, sagt: "Komm Junge, fahr mal ne 8". Ich fahr ´ne 8 und hab` meinen Schein (der mich mit Anmelde-, Prüf- und sonstigen Gebühren schlappe 240,- DM gekostet hat!). Jetzt können wir mal schnell nach Mainz oder Koblenz, andere Gruppen besuchen (Kraan, Guru Guru und alle die, die sich auch aus der Stadt entfernt haben – also fast alle), aber auch zu Konzertbesuchen, nach Mainz ins Unterhaus - Konkurrenten gucken - oder nach Düsseldorf zu Roxy Music, Fairport, Pink Floys etc.

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BESUCHER

vlnr Bernd (verdeckt), Dolf Hartmann (POP), Gille Lettmann, Walter W., ?, Bauer Plath u. Rolf Ulrich Kaiseratürlich bekommen wir auch Besuch: 
• meine Mutter besucht mich (ich muss doch wissen, wo mein Junge ist und wie er lebt).
• Die alten Kumpels aus Essen schauen vorbei: "Hey Mann, kann ich mal ein paar Tage bei euch wohnen?" Klar.
• Dieselfahrer-Fans: kann ich mal an eurem Heizölfass volltanken – stinkt zwar, is aber billiger als anner Tanke (klar, die haben uns garnix gegeben).
• Unsere Produzenten RUK und Gille L. (Bild rechts mit Bauer Plath etc.) sind natürlich des Öfteren vor Ort bei uns (Kontrolle oder Sehnsucht? - war nicht auszumachen), oft mit irgendwelchen Leuten aus dem Business im Schlepptau
• Schreiberlinge, ganze Fernsehteams, Radiofuzzis - alle wollen mal sehen, wo und wie wir wohnen (die gute Leberwurst hat sich wohl rumgesprochen...)


Musikertreffen in Dill: eine Session für die Reportertruppe

ei einer von der Plattenfirma veranstalteten „Rapunzel“-Tour haben wir die Bude dann so richtig voll: unser Management hatte für eine 3-tägige Tour durch Deutschland zu einigen speziellen OHR-Orten Musiker, Journalisten und Reporter in einen Sonderwagen der Bahn gepackt. Da konnte keiner weg - also war genügend Zeit, um sich kennen zu lernen, Gelegenheit für Interviews, für gutes Essen und Trinken und Übernachtungen wurde gesorgt - das Kaiserliche Rundum-Sorglos-Paket. Höhepunkt war dann der Abstecher per Bus ins verwunschene Dill zu W&W - da stand dann das Dorfleben still. Wir waren absolut happy, aber erst so richtig, als die Busladung voll mit den Schreiberlingen aus der Pop- und Musikwelt endlich wieder abzog und wir einen durchzogen...
• Die Bravo(?) schickt die Gewinnerin eines von mir höchst selbst entworfenen W&W-Kreuzworträtsels vorbei: sie hat 1 Tag bei W&W gewonnen (inkl. Kuhstallbesichtigung mit uns und Bauer Plath!) - was kann es Schöneres geben?
Da hatte sie was fürs Leben! 

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BESUCHERJERRY BERKERS


 

DAS W&W - KREUZWORTRÄTSEL

Walters W&W-Rätsel-Originalentwuirf

Waagerecht: 1 Märchenwesen, das nur im Wald erscheint, 2 Abk. f. Beerdigung, 3 Altertum, 4 Zauberwort aus „Ali Baba und die 40 Räuber“, 5 sehr kleiner Fuß, 6 deutscher POP-Musikant, 7 Edelstein, 8 Zeitabschnitt, 9 Gewürz, 10 Name eines Hunsrück-Bauern, 11 Abkürzung für Bratpfanne, 12 Abk. für „Pädagogische Hochschule“ 13 Nachtfalter, 14 Farbe 15 Name eines kleinen schwarzen Hundes 16 Himmelskörper, Lichtquelle, 17 Jahreszeit, 18 Landwirt, 19 Gewässer, 20 Bodenfrucht, 21 altes Zauberwort.

Senkrecht: 1 Mitbegründer der Jesus-Pilz-Bewegung, 2 griech. Buchstabe, 3 alter Zauberspruch aus dem Nordfriesischen, 4 Autokennzeichen von Dill, 22 wiederholt, mehrmals, 23 gut turnender Nadelbaum, 24 Ausruf, 25 Mädchenname, 26 Liedgut des Volkes, 27 Sportler (6 Buchstaben).

Die original Hunsrück-Bauern

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JERRY


esonders erwähnenswert sind die Besuche von Jerry Berkers, dem Bassisten von Wallenstein – der ein wenig durch den Wind ist. Einmal kommt er - mitten in der Nacht - von Mönchengladbach mit dem Taxi zu uns in den Hunsrück, nur um uns – an der Haustür, er kommt gar nicht erst rein, weil das Taxi ja wartet – zu sagen, wir sollen mal sofort in Herrmann Hesses "Siddhartha" auf Seite xx den 3. Absatz genau lesen: da stünde die ganze Wahrheit des Lebens - quasi auf den Punkt gebracht. Dann war er wieder weg  - und sagte wenigsten noch "Auf Wiedersehen"...

Dieses Wiedersehen haben wir einen Monat später. Er will mal so richtig ausspannen und 1 Woche bei uns bleiben - und war nach 2 Tagen (diesmal ohne Abschiedsgruß) verschwunden. Einen Tag später kommt unser Bauer und erzählt, dass Jerry wohl ein Auto geklaut haben soll, was wir eigentlich so gar nicht glauben können und wollen.
Das Auto wird einen Tag später bei Köln gefunden, und 2 Tage später ist auch Jerry wieder da und erzählt auf Anfrage die folgende Geschichte: 
"Nein, ich habe das Auto nicht geklaut. Ich ging spazieren und da stand das Auto und das Autoradio lief und plötzlich sagte die Stimme aus dem Radio: Fahr mich! Ich setze mich also rein und frage: Wohin? Die Stimme im Radio sagt: nach Köln-Wahn. Also fahr ich los, nur kurz vor dem Flugplatz hatte ich keinen Sprit mehr – da ließ ich es stehen. Am Flugplatz wusste irgendwie keiner Bescheid, keiner konnte oder wollte mir weiterhelfen, und jetzt bin ich wieder nach hier zurückgetrampt."  Bernd: "Mann, Jerry, kannst Du Dir nicht vorstellen, dass wir mit den Nachbarn und den Leuten hier Theater kriegen, wenn Besuch von uns hier Scheiße baut?"
Jerry: "Wieso Theater.
Was soll Euch denn passieren? Ihr wisst doch genau, dass einige der Leute ganz oben ihre Hände über Euch halten, weil sie von Euch abhängig sind. Unsere Politiker brauchen Euch doch, ihr seid geradezu existenziell wichtig für sie. Die da oben sind doch auf euch und eure Musik angewiesen, sie wären hilflos ohne Euch! Die hören sich eure Musik über riesige Unterwasserstereoanlagen an, und von und mit den Impulsen, die da rüberkommen, entwerfen die ihre Politik!" – ??? - Punkt !!! - Aus.

Davon ist er nicht abzubringen. Um zu verstehen oder zumindest eine entschuldigende Erklärung zu versuchen, sei hier angeführt, dass Jerry als Bassist einst in einer Band spielte, die zur Truppenerbauung in Vietnam unterwegs war. Bei einem Gig wurden während des Konzertes die 3 Gogo-Girls der Gruppe auf der Bühne abgeschossen – und Jerry war auf einem Trip und kam nie mehr richtig runter und zurück. Er verließ bei einem Konzert auf der Wallenstein/Witthüser & Westrupp-Deutschland-Tour mitten im Stück (die Post ging gerade richtig ab) die Bühne und war ab da nicht mehr zurückzubringen: die Musik wäre ihm einfach zu mächtig, sie würde ihn geradezu überrollen – und dem wäre er nicht gewachsen. Mittlerweile ist er ganz von uns gegangen...

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68er nach Noten - Kapitel 10: Dill
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2002-2021 by Walter Westrupp - letzte Aktualisierung Mai 2021