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(Hunsrück)


Wenn die Jahreszeiten ihre Gesichter offenbaren
und über unserem Tal der Adler Kreist
wenn am Himmel seltene Lichter scheinen
und die blaue Blume reift:
dann ist es Zeit, der Unrast Mantel umzuhängen
und auf den Pfaden der Vergangenheit
den Weg nach Westen einzuschlagen

Wir gehen Wege, die schon fast vergessen
kaum von Wesen dieser Welt berührt
dorthin, wo das Licht den Schatten
in seiner tiefer Klarheit trifft.
Wo wir Gefährten treffen aus den alten Tagen
mit ihnen reden über die vergang´ne Zeit
um uns an dem Erlebten zu berauschen

Wir erkennen, dass nicht Zahlen und Figuren
sind die Schlüssel aller Kreaturen:
daß alle, die gern singen oder küssen
mehr als die Tiefgelehrten wissen.
Daß man in Märchen und den Gedichten
erkennt die alten Weltgeschichten:
drum lasst uns diesen Tag besingen

Witthüser & Westrupp - Jahreszeiten von der W&W-LP "Bauer Plath"

Ortseingang zu "unserem" Dorf


ir suchen über Bauern-Fachzeitschriften ein Haus – und werden tatsächlich schnell fündig in Dill, einer 260-Seelen Gemeinde im Hunsrück.

In das leerstehende alte Bauernhaus des Bauern Plath ziehen wir 1971 mit Sack und Pack und Instrumenten ein und können uns nach langer Zeit endlich wieder auch mit uns selbst beschäftigen und versuchen, Ruhe zu finden.


Walter vor dem Bauerhaus in Dill, verdeckt durch den MisthaufenDas ist es: alt, klein, schnuckelig am Ortsrand gelegen: dahinter nur noch Felder und Wälder und Wiesen.

Unten rechtes Fenster: Walters Zimmer, nach hinten heraus große Küche und Badezimmer.

Oben rechts: Musikzimmer, nach hinten Bernhards Privat-Separee.

Links davor (verdeckt durch Walter und den Mist) die Außentoilette


Die große Kirchentour ist vorbei, wir haben uns eingerichtet, die Bäuerin hat uns einiges von dem Möbelfundus abgetreten, den sie auf dem Dach des Hauses eingerichtet hat und auf den die durchziehenden Antiquitätenhändler aus Belgien und Holland immer gerne einen Blick werfen, aber nicht zum Zug kommen. Denn auch wenn man hier weitab vom Schuss lebt -  die Preise sind bekannt, und so eine echte Hunsrückbäuerin ist nicht auf den Kopf gefallen.

Ruhe tritt in unser Leben am Wegesrand, es wird ruhig, wirklich ruhig, es wird verdammt ruhig. Es ist soviel Ruhe da, dass wir unruhig werden ob dieser Ruhe. Wir können mit Ruhe gar nicht mehr umgehen, das müssen wir erst einmal lernen. Immer haben wir das Gefühl, etwas vergessen zu haben oder noch etwas
machen zu müssen.

Walters Zimmer in Dill - Raum zum relaxen  

Erst nach einigen Wochen merken wir, wie dieser Stress von uns abfällt - wie dieses Gefühl verschwindet, noch dieses oder/und jenes unbedingt tun zu müssen oder mitzumachen, weil man sonst etwas verpassen könnte. Hier ist aber nix zu verpassen -  wir fallen in ein endlos tiefes absolut schwarzes Loch. Am Ende dieses Loches sitzen wir nun und sagen: wir müssen was tun, mal wieder unter Leute kommen: wo ist die Kneipe im Ort? Es gibt keine! Es gibt demzufolge auch keine Disco, es gibt kein Kino, keine Pommesbude, keine Bude anne Ecke - nur Bauerhöfe und Misthaufen... Dann nach Jahren der Einsamkeit: ein Gerücht - ein Hinweis - ein himmlischer Fingerziig?: im Nachbarort Niedersohren soll eine Kneipe sein. Hey Mann, also auf und los, 10 Minuten Fußweg (vorbei an der Ranch von Müllers Mühle) - dann ein Fußballplatz - ein kleine Ansammlung von Häusern - eine Bier-Reklame. Keine Fa(n)ta Morgana, sondern scheinbar - oder tatsächlich - eine Kneipe, ein Bistro, eine Wirtschaft, ein Pub, ein Restaurant, ein wahnsinniges Etablissement - eine OASE: und sogar mit Leuten drin – Stimmengemurmel dringt aus dem Fenster. Wir öffnen vorsichtig die Türe und treten leise ein (aber dennoch zu laut): Totenstille, als wären wir die Abgesandten des Gehörnten. 
Augen zu und durch und ab zur Theke: 2 Bier – 2 Bier? wat sprecht ihr so komisch - ah ihr seid nicht von hier! Auf der Durchreise? Nein, ihr wohnt hier. In Dill. (Das ist echt ein Verhör - bin ich hier inner Kneipe oder auf einer Polizeiwache...) Und vorher? Essen? ah ja Essen! ESSSSENNNNN!  Willi – komma schnell, hier sind welche von Essen. NEINNN, nix Essen, die Leute hier sind aus ESSSEEENNN. Klar, was war: die Wirtsleute kamen aus Dortmund – nee, das war jetzt ´n Witz, natürlich auch aus Essen, und wir Exoten haben auf Anhieb  Blutsbrüder gefunden und sind plötzlich mitten drin und voll dabei, und den anderen Gästen ist´s genehm und das Gemurmel setzt wieder ein. Frei Trinken ist in dieser Nacht Ouzo - is doch klar...

...und der Heimweg ist dunkel und weit.

hne Auto sind wir aufgeschmissen - abgeschnitten von der Außenwelt. Konzerte sind z. Zt. auch so gut wie keine geplant: wir fühlen uns vergessen von Gott und der Welt. Zu den wenigen Gigs, die wir augenblicklich wahrnehmen, fahren wir mit einem Leihwagen – aber das Geld reicht grade mal für den Sprit und den Wagen und den „Schwarzen Krausen“. Unsere Knete ist aufgezehrt – Rücklagen habe wir nie gebildet. Werner (Bauer Plath) stundet uns die Miete (irgendwann geht´s wieder aufwärts, Jungs), mittags wird uns eine warme Mahlzeit von der Bäuerin nach oben gebracht, Abendbrot (aber hallo vom feinsten) gibt´s unten im Neubau, wo der Bauer mit Frau, Tochter und Schwester wohnte. Da lebte Gunda noch... Wir helfen auf dem Hof, wir packen an, wenn´s was zu tun gibt, wir fahren mit dem Trecker raus und sind beim Schlachten mittendrin, da die Vieh-Ställe neben unserem Haus liegen und unser alter guter Kohle-Ofen in der Küche zum Wursten benutzt wird – und diese Würste sind unübertroffen gut: frischeste hausgemachte Leber- und Blutwurst – nie wieder habe ich so leckere Wurst gegessen – so etwas gibt´s nicht mal in den Feinkostläden der Stadt zu kaufen (Dazu muss man grundsätzlich wissen, dass der Eigenbedarf eines Bauern aus einer anderen Ernte ist als das, was er nach draußen verkauft. B.P. baute für sich ökologisch an, als es die Grünen noch garnicht gab. Aber eben nur für sich selbst) Wie gesagt, wir packen mit an und sind mitten beim Schlachten von Gunda der Sau, da kreuzt ein Fernsehteam des SWF für eine Reportage auf. Vor unserem Haus hängt das frisch geschlachtete aufgeklappte Schwein an der Leiter und die Wanne mit Blut steht daneben, wir haben noch das Blut an den Händen und wir singen aus voller Brust und mit tiefer Überzeugung vor dieser Kulisse das passende tiefschürfende Lied: Wer das Scheiden hat erfunden, hat an Liebe nie gedacht: sonst hätt´ er die schönsten Stunden in der Liebe zugebracht. Die Sau nickte. Wenn Du´s sehen willst: hier bitte:

 

Ich sitze und verbringe zu dieser Zeit schöne Stunden auf unsere Toilette: dem Häuschen mit dem Herzchen in der Tür direkt neben dem Mistgrube. Von hier aus kann ich bei geöffneter Tür in aller Ruhe und Abgeschiedenheit die Katzenmutter beobachten, die ihren Jungen am lebenden Objekt das Mäusejagen lehrt. Oder die Spinnen, die in den Ecken dieses stillen Örtchens filigrane Schlauch-Netze gesponnen haben und bei jeder Netz-Berührung herausgeschossen kommen (wo gibt´s das in der Stadt?). Oder die Bienen, die  aus der Jauchegrube unter mir an meinem Hintern vorbei nach draußen an die frische Luft fliegen. Die Toilette... Oder den immergeilen Hahn mit seine Hühnerschar, die mit allemann unermüdlich den Misthaufen umpicken: echte Lebensqualität. 

 

m 30. April war dann nicht der Weltuntergang, sondern wir finden uns abends auf dem Platz unter der Burgruine ein. In dieser Ruine  feiern irgendwelche Millionäre aus Mainz einmal im Jahr „Ritterfest“ – als Ritterleute verkleidet und mit vielen Burgfräuleins im Schlepp. Wir aber sind heute von der Dorfjugend eingeladen zum Maifeuer. Es gab Bier und Schnaps (oder umgekehrt) und es wird alles Mögliche verfeuert – auf dass es schön moppllichg (zusammengezogenes neues Wort aus mollich und moppelig) warm ist und auch die Nachbardörfer seh´n, dass wir feiern. Da  - plötzlich und unerwartet - sehe ich eine alte gute Bekannte wieder, die da ins lodernde Feuer geschoben werden soll: meine über alles geliebte Klo-Tür. Mit Mühe kann ich grade noch verhindern, dass dieses wirklich für uns lebenswichtig(st)e Teil, das mir mit ihrem Herz mittlerweile so ans Herz gewachsen ist, von den Flammen verzehrt wird. Natürlich muss ich sie auslösen -  herauskaufen mit einen Kasten Bier (das Geschäft in der Dorfmitte hat für solche Fälle einen Notdienst eingerichtet). Für eine weitere Flasche Schnaps bekomme ich auch die Sitzbank, die eigentlich bisher vor unserem Haus steht, wieder ausgehändigt. Was wir vorher eben nicht wussten: in der Nacht zum 1. Mai gehen die Jugendlichen an den Häusern und Stallungen vorbei und sammeln alles Brennbare ein, was sich ohne Gewalt entfernen lässt (daher war auch das ganze Dorf unterwegs und schaute interessiert in die Flammen – und zu trinken gab es von daher reichlich). Denn wer nicht schnell genug auslöst, muss neu kaufen! Daher jedes Mal eine komplizierte Rechenaufgabe für jeden einzelnen Fall. Wir feiern bis in den frühen Morgen und helfen dann, den Maibaum (mind. 150 m hoch) in der Dorfmitte aufzurichten. Zum Glück waren einige da, die nicht ganz so besoffen sind wir wir und die uns vorsichtig, aber bestimmend zur Seite abdrängen und dieses Wunderwerk deutscher Baumkultur tatsächlich zum Stehen kriegen...

in weiteres dörfliches Großereignis steht an. Wir machen die 1. Bauerhochzeit unseres Lebens live mit: mit: die Tochter unseres Vermieters heiratet. Allein die Vorbereitungen für so ein Fest dauern schon Wochen (weil das ja quasi eine Dorfangelegenheit ist), und der Polterabend – Tag 1 der Hochzeit -zieht sich von mittags bis tief in die Nacht hinein und ist nicht nur für die Brautleute (der Container ist hinterher rappelvoll und die Mülltonnen inkl. unserer auch mit den Scherben), sondern auch für uns ein recht anstrengender Tag: wir gehören ja quasi zur Familie und müssen voll mitziehen – Prosit hier und Hallo da und Ihr seid die und wir sind das und toll und nett und trallala – und immer ein Schnäpschen dazu. Abends geht es hinauf in´s Gemeindehaus (da passen tatsächlich alle 260 Einwohner rein!) und ich trinke – zu dem, was ich schon den ganzen Tag reingeschüttet habe und was noch gar nicht richtig  weiterverarbeitet ist - zum ersten und einzigen Male in meinem Leben Kommodenlack (Jägermeister,  ca. 1 ½ Flaschen): ich bin ja sooooo schlecht – und irgendwann und irgendwie auch weg.

Am nächsten Morgen – dem eigentlichen Hochzeitstag - müssen wir morgens irgendwo hin (weiß nicht mehr warum – wahrscheinlich ein Radio-Termin ) aber früh mittags sind wir wieder da und lernen jetzt beim Kaffeetrinken Menschen kennen, die wir bis dato nur als Bauern mit Blaumann, Mütze und Stiefeln kannten: die hatten sich mit Anzug, Weste, Schlips und Kragen und schwarzen Lack- und Lederschuhen verkleidet. Und ach die Bäuerinnen hatte Kittel und Kopftuch vertauscht mit ausgesucht geschneiderten Stoffen – und alle rochen gut... Im Laufe des Nachmittags lockert sich diese Kleiderordnung aber – vor allem bei den Herren der Schöpfung - zum positiven, (erst oberer Hemdknopf auf, dann Jacke aus, Weste aufgeknöpft, Ärmel kochgekrempelt, Schlips ab) und es wird gefeiert und gegessen und getrunken und getanzt und erzählt und gesungen, eben wie man es aus den alten Geschichten kennt.

iittlerweile sind wir wieder mobil: wir haben uns von einem Bauern im Dorf einen alten Ford gekauft, mit dem wir – wenn uns die Decke auf den Kopf fällt (also so ca. alle 2 Monate) mal schnell nachmittags nach Essen düsen, die Nacht durchmachen, bei Freunden schlafen und am nächsten Tag wieder zurück in die Ruhe fahren. Den Wagen haben wir mit Schultafellack gestrichen, und die Kinder des Dorfes geben ihm nach jedem Regenguss mit bunter Kreide ein neues Outfit. 

Zudem haben wir uns für den Nahverkehr geeignete Verkehrsmittel gesucht, haben die  Scheunen der ansässigen Bauern durchsucht und uns dann für zwei Motorräder entschieden: Bernhard für eine NSU Max und ich für eine antike Zündapp 100 mit Tankschaltung. Bernhard baut gleich auf der Jungfernfahrt mit dem nicht angemeldeten und unversicherten Teil einen Unfall - aber das regelt man auf dem Dorf per Handschlag bei einem Schnäppschen... Da ich noch keinen Motorrad-Führerschein habe, fahre ich mit meiner (auch noch unversicherten, aber wenigstens schon angemeldeten) Maschine zur Fahrschule (2 Orte weiter) und nehme dort 1x je Woche am theoretischen Unterricht teil. Für den praktischen Teil (Fahrlehrer: ich muss ja wenigsten mal gesehen haben, Das waren noch Helme.ob Sie in der Lage sind, bei voller Fahrt den Arm richtig raushalten können beim Abbiegen) verabreden wir uns in Simmern, Kreisstadt und Heimat des bekannten Schinderhannes. Ich fahre wohl recht gekonnt und damit zufriedenstellend hinter dem Fahrschulwagen her und werde daher zur Prüfung gemeldet. Der theoretische Teil wird in einer Kneipe abgehalten – zum Praxisteil geht´s (logischerweise) nach draußen. Als der TÜV-Mann meine Maschine sieht, ist er hin und weg: das ist das gleiche Modell wie sein aller erstes selbst bewegtes Fahrzeug (wahrscheinlich ist er mit 12 schon damit über den Bauerhof gebrettert und hat Hennen gescheucht): "kann ich mal ne Runde fahr´n?" Klar – weg ist er. Nach ½ Stunde kommt er wieder, glänzende Augen, sagt: Komm Junge, fahr mal ne 8. Ich fahr ´ne 8 und hab` meinen Schein (der mich mit Anmelde-, Prüf- und sonstigen Gebühren schlappe 240,- DM gekostet hat!). Jetzt können wir mal schnell nach Mainz oder Koblenz, können andere Gruppen besuchen (Kraan, Guru Guru und alle die, die sich auch aus der Stadt entfernt haben – also fast alle), aber auch zu Konzertbesuchen nach Mainz ins Unterhaus - Konkurrenten gucken oder nach Düsseldorf zu Roxy Music etc.

atürlich bekommen wir auch Besuch: meine Mutter besucht mich (ich muss doch wissen, wo mein Junge ist und wie er lebt).
• Die alten Kumpels aus Essen schauen vorbei: Hey Mann, kann ich mal ein paar Tage bei euch wohnen? Klar.
• Dieselfahrer-Fans: kann ich mal an eurem Heizölfass volltanken – stinkt zwar, is aber billiger als anner Tanke (klar, die haben uns garnix gegeben).vlnr Bernd (verdeckt), Dolf Hartmann (POP), Gille Lettmann, Walter W., ?, Bauer Plath u. Rolf Ulrich Kaiser
• Unsere Produzenten RUK und Gille L. (Bild rechts mit Bauer Plath etc.) kommen natürlich des Öfteren (Kontrolle oder Sehnsucht - war nicht auszumachen), oft mit irgendwelchen Leuten im Schlepptau
• Reporter, Fernsehen, einmal – bei der von der Plattenfirma veranstalteten „Rapunzel“-Tour - sogar eine Busladung voll mit Schreiberlingen aus der Pop- und Musikwelt
• Die Bravo(?) schickt die Gewinnerin eines von mir entworfenen W&W- Kreuzworträtsels vorbei: sie hat 1 Tag bei W&W gewonnen (incl. Kuhstallbesichtigung mit uns und Bauer Plath) - was kann es Schöneres geben?
Da hatte sie was für´s Leben...


Das W&W-Kreuzworträtsel

Walters W&W-Rätsel-Originalentwuirf

Waagerecht: 1 Märchenwesen, das nur im Wald erscheint, 2 Abk, f. Beerdigung, 3 Altertum, 4 Zauberwort aus „Ali Baba und die 40 Räuber“, 5 sehr kleiner Fiß, 6 deutscher POP-Musikant, 7 Edelstein, 8 Zeitabschnitt, 9 Gewürz, 10 Name eines Hunsrück-Bauern, 11 Abkürzung für Bratpfanne, 12 Abk. für „Pädagogische Hochschule“ 13 Nachtfalter, 14 Farbe 15 Name eines kleine schwarzen Hundes 16 Himmelkörper, Lichtquelle, 17 Jahreszeit, 18 Landwirt, 19 Gewässer, 20 Bodenfrucht, 21 altes Zauberwort.

Senkrecht: 1 Mitbegründer der Jesus-Pilz-Bewegung, 2 griech. Buchstabe, 3 alter Zauberspruch aus dem nordfriesischen, 4 Autikennzeichen von Dill, 22 wiederholt, mehrmals, 23 gut turnender Nadelbaum, 24 Ausruf, 25 Mädchenname, 26 Liedgut des Volkes, 27 Sportler (6 Buchstaben).


Die original Hunsrück-Bauern


esonders erwähnenswert sind die Besuche von Jerry Berkers, dem Bassisten von Wallenstein – der ein wenig durch den Wind ist. Einmal kommt er - mitten in der Nacht - von Mönchengladbach mit dem Taxi zu uns in den Hunsrück, nur um uns – an der Haustür, er kommt gar nicht erst rein, weil das Taxi ja wartet – zu sagen, wir sollen mal sofort in Herrmann Hesses Sidharta auf Seite xx den 3. Absatz genau lesen: da stünde die ganze Wahrheit des Lebens auf den Punkt gebracht. Dann war er wieder weg (da sagte er wenigsten noch Auf  Wiedersehen).

Dieses Wiedersehen haben wir einen Monat später. Er  will mal so richtig ausspannen und 1 Woche bei uns bleiben - und war nach 2 Tagen (diesmal  ohne Gruß) verschwunden. Am Tag später kommt unser Bauer und erzählt, dass Jerry wohl ein Auto geklaut haben soll, was wir eigentlich so gar nicht glauben können und wollen.
Das Auto wird einen Tag später in Köln gefunden, und 2 Tage später ist auch Jerry wieder da und erzählt auf Anfrage: Nein, ich habe das Auto nicht geklaut. Ich ging spazieren und da stand das Auto und das Autoradio lief und plötzlich sagte die Stimme aus dem Radio: Fahr mich! Ich setze mich also rein und frage: Wohin? Die Stimme im Radio sagt: nach Köln-Wahn. Also fahr ich los, nur kurz vor dem Flugplatz hatte ich keinen Sprit mehr – da ließ ich es stehen. Am Flugplatz wusste irgendwie keiner Bescheid, keiner konnte oder wollte mir weiterhelfen, und jetzt bin ich wieder nach hier zurückgetrampt. - Mann, Jerry, kannst Du Dir nicht vorstellen, dass wir mit den Nachbarn und den Leuten hier Theater kriegen, wenn Besuch von uns hier Scheiße baut?
Jerry: wieso Theater.
Was soll Euch denn passieren? Wisst ihr denn nicht, dass viele Leute ganz oben ihre Hände über Euch halten, weil sie von Euch abhängig sind. Unsere Politiker brauchen Euch doch, ihr seid gradezu existenziell wichtig für die. Die da oben sind auf euch und eure Musik angewiesen, sie wären hilflos ohne Euch! Die hören sich eure Musik über riesige Unterwasserstereoanlagen an, und von und mit den Impulsen, die da rüberkommen, machen die ihre Politik! – Punkt - Aus.

Davon ist er nicht abzubringen. Um zu verstehen oder zumindest eine entschuldigende Erklärung zu versuchen, sei hier angeführt, dass Jerry als Bassist einst in einer Band spielte, die zur Truppenerbauung in Vietnam unterwegs war. Bei einem Gig wurden während des Konzertes die 3 Gogo - Girls der Gruppe auf der Bühne abgeschossen – und Jerry war auf einem Trip und kam nie mehr richtig zurück. Er verließ bei einem Konzert auf der Wallenstein/ Witthueser & Westrupp - Deutschland- Tour mitten im Stück (die Post ging gerade richtig ab) die Bühne und war ab da nicht mehr zurückzubringen: die Musik wäre ihm einfach zu mächtig, sie würde ihn geradezu überrollen – und dem wäre er nicht gewachsen. Mittlerweile ist er ganz von uns gegangen...

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© 2002 by Walter Westrupp - letzte Aktualisierung 19.01.2018